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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Bezüglich des Rohstoffs ist ebenfalls eine andauerndeVerbihigung zu beobachten einmal die Folge des vermehrtenAnbaues der Baumwolle und der steigenden Konkurrenz dererzeugenden Länder; vor allem aber wird sie der immerweiteren Vervollkommnung des Baumwollmarktes zu Liver-pool verdankt. Nach eingehender Berechnung in der deut-schen Enquete 1 kamen 1878 100 Kilo Middling Louisiana inder englischen Fabrik auf 113,55 M., in der elsässischen auf123,84 M. zu stehen. Dieser Unterschied wird voraussichtlichdurch Herstellung des Seekanals nach Manchester weiter zuGunsten Englands verschoben werden eine Verbilligungdes Transportes, welche ebenso der Einfuhr von Nahrungs-mitteln wie der Ausfuhr von Fabrikaten zu gute kommenwird und die längst geplante Kanalisation des Oberrheins un-aufschiebbar machen dürfte 2 .

Wenn die deutschen Spinner heute vielfach im Produktions-lande kaufen, so bedeutet dies zwar insofern einen Vorteil,als sie sich von den Extraspesen in Liverpool befreien. Keines-wegs aber ersetzt jenes Verfahren einen heimischen Baumwoll-markt. Die deutschen Spinner müssen 4 bis 5 Monate imvoraus auf Lager kaufen, haben also ihren Verbrauch langezuvor zu bestimmen, ehe sie die künftige Nachfrage kennen,und tragen damit die Gefahr eines Preisniedergangs derBaumwolle; sie können nur mit Nachteil auf Deutschland trassieren. Der englische Spinner kauft, wie wir sahen,von Woche zu Woche nach dem Börsenpreise zu Liverpool,

1 Vergl. Protokolle S. 358.

2 Die Bedeutung der Wasserwege ergiebt z. B. folgende Angabeder Protokolle S. 19 bez. Transportkosten nach dem Elsafs.

Baumwolle pro Kilo

ostindiscbe,amerikanische

im Sommer denRhein hinauf4,02 Pf.4,69 -

im Winterper Bahn5,42 Pf.

6,29 -