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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Klasenkämpfen zerrissen war, wird den angeführten Gesichts-punkt würdigen.

Wenn so die Gewinne, soweit in ihnen eine Art Lohnenthalten ist, herabgehen, so auch in letzter Linie derZinsfuss.

Auch die stete Herabsetzung des Zinsfufses ist ein Er-gebnis des wirtschaftlichen Fortschritts. Während früher dasDarlehn hauptsächlich zu Konsumtionszwecken genommenwurde, ist es auf dem Boden des heutigen Wirtschaftssystemsin erster Linie produktiven Zwecken gewidmet. Damit wirddie Menge des vorhandenen Kapitals und das Angebot ansolchem fortschreitend vermehrt. Dem Leihkapitalisten abersteht, im Gegensatz zum Unternehmer und Arbeiter, nichtdie Möglichkeit der Koalition zur Seite, indem jede zweck-mäfsige Anwendung seines Gutes Konkurrenz d. h. neuesAnlage suchendes Kapital schafft. Nun kann das verstärkteAngebot zwar zeitweise durch verstärkte Nachfrage aus-geglichen werden. Aber im allgemeinen macht sich auf Seitender Nachfrage ein retardierendes Moment geltend: die durchden technischen Fortschritt ungeheuer gesteigerte Produktions-kraft des Kapitals. Mit einem SB in Maschinen angelegt kannich heute vier bis fünfmal so viel Garn gleicher Qualität pro-duzieren wie vor 50 Jahren. Das Zusammenwirken jenes be-schleunigenden mit jenem verzögernden Momente bewirktefür die englische Industrie ein bedeutendes Herabgehen desZinfusses im Laufe des Jahrhunderts.

In gleicher Weise ist England hierin heute im Vorteilegegenüber dem europäischen Festlande. Der englischen Baum-wollindustrie steht das gewöhnliche Leihkapital zu 4°/o bis3 1 /2°/o zur Verfügung; daneben besteht jedoch die Möglich-keit, jederzeit kündbare Kapitalien zu 3°/o und 2 1 /2°/o zu er-halten ein System, dessen sich die Spinnereien in Oldham