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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Stellung auf die Dauer unhaltbar scheint ihnen bedenklichaus socialen Gründen, weil sie Grofsbetrieb und weiterenÜbergang zur Maschine erheischt. Ja der ragende Schlot scheintsolchen ängstlichen Seelen ein warnender Finger, ein Menetekeldes kommenden Tages des Zusammenbruchs.

Die Arbeiter dagegen begrüfsen den wirtschaftlichen Fort-schritt, weil er den Zeitpunkt nähere, da die Expropriateure,immer weniger an Zahl, endlich selbst expropriiert würden.Jeder Fabrikschlot ist ihnen ein Wahrzeichen des künftigenTages der Abrechnung.

Uns ist er keines von beiden; uns ist er ein Zeichennicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des socialen Fort-schritts, damit die jüngste Trophäe in jenem Siegeszuge derMenschheit, der in die graue Vorzeit zurückreichendUnteijochung der Naturkraft und Befreiung der Arbeit be-deutet.

Die gegnerische Meinung ist hier, wie überall so zu wider-legen, dafs man sie als relativ berechtigt erkennt, als das Er-gebnis einer gewissen Stufe der Entwicklung. Ehe der Grofs-betrieb das Gewerbe erfafste, war die Verteilung des Volksein-kommens gewohnheitsmäfsig oder rechtlich geregelt. Wie nachTacitus secundum dignationem" die Ackerlose verteilt wurden,so ähnlich in der ganzen mittelalterlichen Gesellschaft die Losedes Lebens. Die Verkaufspreise der gewerblichen Produkteund damit die Gewinne wurden von der Zunft festgesetzt.Löhne und Arbeitszeit waren ebenfalls durch Zunft oder Be-hörden geregelt, zum mindesten gewohnheitsmäfsig feststehend.Auch der für Benutzung des Grund und Bodens dem Grund-herrn zu zahlende Entgelt stand autoritativ fest. Kapitalzinsexistierte noch wenig, weil gröfsere Kapitalanlagen für Gewerbe-betriebe nicht erforderlich waren; er war ursprünglich vomGesetz verboten. Das im Vergleich mit heute geringe Gesamt-