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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Ideen beriefen, so dächten sie hierbei an jene ungesunde Form,wo die Gesellschafter selbst, dem Geschäft ganz fernstehend,vom Vorstand geführt und nur zu oft irregeführt würden. InOldham seien die Gesellschafter sachverständige Unternehmer.

Wenn also der Unterschied von Unternehmer und Arbeiterzwar nicht aufzugeben sei, so glichen sich doch jeneäufsersten Gegensätze zwischen Arm und Reich aus. Schondafs grofse Kapitalisten häufig ihr Kapital aus einem Unter-nehmen herauszögen und in viele verteilten, beweise, dafs dieFunktion der grofsen Vermögen heute geringer sei als vor50 Jahren. In Oldham verdrängten jene Aktiengesellschaften,die von Direktoren aus dem Arbeiterstande geleitet würden,die älteren Privatunternehmungen.

Diesen nüchternen Ausführungen gegenüber vertrat derGeistliche jenen socialen Idealismus, welcher Erhebung geradeder ärmsten der Armen fordert. Diese Scene erklärte mirjenen eigentümlichen Zug der englischen Arbeiterbewegung,wonach gerade der radikale Flügel weithin den Anflug einerreligiösen Schwärmerei zeigt. Wie Ben Tillet , der Führerder Docker, mir sagte, täglich habe er eine Rede zu halten,aber Sonntags predige er zweimal, wie Sidney Webb denletzt errungenen Wahlsieg zum Grafschaftsrat in erster Linieden Dissenters und ihren Geistlichen zuschreibt, so nahmauch hier der Geistliche die Partei jener hülflosen und tief-stehenden Massen, über denen der gelernte und organisierteArbeiter der Grofsindustrie höher steht, wie über ihm die dasOberhaus zusammensetzenden Familien.

Wenige Wochen darauf führten mich meine Studien ineinen Kreis von Arbeitern eines der bedeutendsten Textil-mittelpunkte Deutschlands . Ich begegnete hier der gleichenfreundlichen Aufnahme, der gleichen Bereitwilligkeit, wissen-schaftliche Forschungen zu unterstützen, auch einem ähnlichen