Sieht, unter dem Druck wachsender Ziffer, ein Volk sich ge-zwungen, zu schlechteren Arbeitsplätzen seine Zuflucht zu nehmen,oder die besten mit einem größeren Arbeitsquantum zu belegen, alsmit demjenigen, bei welchem das Produktivitätsmaximum statthat,so wird es ärmer, wie es sein könnte, falls es sich zu beschränkenvermöchte auf Ausnutzung nur der Böden und Gruben erster Klassebis zum Punkte des Produktivitätsmaximum. Das Kopfprodukt(der Ertrag an materiellen Gütern jeder Art, der bei gleicherVerteilung des Gesamtprodukts, der „nationalen Dividende", aufden Kopf entfallen würde), das Kopfprodukr, an dem die Höhe desVolksreichtums sich mißt, steht niedriger, wie es stehen könnte, fallsdie Zahl der Münder und Mägen, und damit der Rohstoffbedarf,niedriger wäre.
Durch Vervollkommnung der Technik der Rohstoffproduktionkann erreicht werden, daß das „Abnehmen des Ertrags" zeitweisehintangehalten wird — daß ein größerer Rohstoffbedarf als frühermit gleicher oder vielleicht sogar geringerer Arbeitsmenge wie früherbeschafft wird. Aber kein Fortschritt agrikoler oder montanerTechnik vermag jenes Gesetz auf die Dauer außer Wirksamkeitzu setzen. —
In der Industrie, im Handel, im Transport — kurz: aufallen übrigen Gebieten der Arbeit mit Ausnahme der Rohstoff-produktion — gilt dagegen das Gesetz des „zunehmenden Er-trags". Das heißt: mit Ausdehnung der industriellen u. s. w.^)Produktion steigt der durchschnittliche Ertrag der industriellenArbeitseinheit, steigt die Produktivität der industriellen Arbeit derNation. Wie es neulich einmal formuliert wurde: in der Land-wirtschaft ist „der letzte Scheffel der teuerste" und im Bergbauder letzte Zentner. In der Industrie sind umgekehrt „die letzteElle, das letzte Groß die billigsten".")
Möglich ist, daß die Minderung der Produktivität inder Rohstoffproduktion wettgemacht wird durch die Stei-
^) Im Folgenden ist — da es hierauf vor allem ankommt — nur nochvon der industriellen Produktion die Rede.
') E. v. Halle, Weltmachlpolitik und Socialreform. (Sociale Praxis1899, S. 556.)