Druckschrift 
Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

das Volk, welches durch den Verkehr zumIndustriestaat", wiedas, welches zumRohstoffstaat" werden wird.^)

Ob jenes mehr als dieses durch den Verkehr profitiert, oderumgekehrt, läßt sich wieder nur in vonorsto bestimmen. Wie beimBinnenverkehr zwischen Individuen und Gruppen des gleichen Volkeskann beim Außenverkehr zwischen Völkern wie ^ und L der Vor-teil sich ungleich verteileu. Daß aber ^. mehr wie L, oder Lmehr wie ^. profitiert, kann kein Grund gegen Austausch undArbeitsteilung zwischen ihnen sein.

Unsern Agrariern und ihren akademischen Anwälten ist die That-sache, daß das nationale Interesse, das Interesse an möglichsterHebung der Produktivität der nationalen Arbeit wie möglichster Hebungder Ziffer (m. a. W. an möglichster Hebung des Reichtums wie derMacht des Volkes), Ziffer- und industriereichen Völkern, wie z. B.Deutschland, vorschreibt, Verkehr mit ziffer- und industriearmen Völkern,wie z. B. Rußland, zu treiben, nicht klar. Statt die Folge solchenVerkehrs die Einschränkung der Rohstoffproduktion, besonders derLandwirtschaft, die Ausdehnung der Industrie als eine, zwar demag raren Interesse zuwidere, aber vom nationalen Interesse gebotenehinzunehmen, möchten sie die Ursache aus der Welt schaffen, den Verkehrwenigstens in agrikolen Produkten unterbinden.

Im Agrarischen Handbuch heißt es:so lange nicht alles Landbebaut ist und alles bebaute Land in voller technischer Betriebsinteu-sität bewirtschaftet wird, so lange ist es natürliche Entwickelung, wenndie diesem Beruf (der Landwirtschaft) angehörende Einwohner-schaft sich mehrt; es ist unnatürlich, wenn nur sie allein hinterder Entwickelung der andern Berufe zurückbleibt, oder gar, wie gegen-wärtig" in Deutschland, England u. s. w.absolut sich ver-mindert".^)

Ist unternatürlicher" Entwickelung diejenige zu verstehen, welchedas nationale Interesse erheischt, so ist der Satz falsch. Das nationaleInteresse erheischt für Völker wie das heutige Deutschland , daß dieLandwirtschaft, der derzeit unproduktivere Zweig der nationalen Arbeit,Hände abgebe an die Industrie.

Ist unternatürlicher" Entwickelung diejenige zu verstehen, beiwelcher das private Interesse der Landeigentümer das übrigenskeineswegs zusammenfällt mit dem der Landwirte i. e. S., der Pächterund der Arbeiter am besten seine Rechnung findet, so kann aller-

») über diese Begriffe s. unten Abschnitt HI.

-) Citiert nach A. Berthold, deutsches Reichsbuch, 1899, S. 28.