— 18 —
Wenn jedes Volk die Erzeugung der Güter, die ihm dieverhältnismäßig wenigste Arbeit kosten, über den eigenen Bedarfhinaus ausdehnt, den Überschuß exportiert und mit ihm die Güterimportiert, die andern Völkern die verhältnismäßig wenigste Arbeitkosten, so wird die Gesamtarbeit des Völkerganzen produktiver, dasGesamtprodukt ein höheres, als es sein könnte, wenn jedes Volkalles selbst produzieren muß, was es zu konsumieren wünscht.
Je mehr die „Völkerwirtschaft" sich der Weltwirtschaft nähert,je größer das Raumgebiet, auf welchem der Verkehr frei sich ent-falten darf, desto vollständiger kann das Hemmnis, das jenesGesetz des „territorial verschiedenen Ertrages" gleicher Arbeitfür den Fortschritt der materiellen Kultur bedeutet, überwundenwerden; desto näher können die Nationen dem, nach den gegebenenBedingungen möglichen Maximum des Reichtums kommen. Dennje größer das Raumgebiet des freien Verkehrs, desto größer wirddie Wahrscheinlichkeit, daß die Produktion jeder Güterart auf demoder den Territorien^) sich konzentriere, wo die auf diese Güterartgerichtete Arbeit ihren Maximalertrag, ihr Produktivitätsmaximumfindet.
Denken wir uns wieder, wie oben (S. 11), zwei bisher isolierteVölker ^ und L, mit ungefähr gleicher Produktionsmöglichkeit,aber, im Unterschied zu oben, mit gleicher Ziffer, gleichem Bedarf.
Auch hier kann eine Vermannigfaltigung des Genießens ausdem Verkehr nicht entspringen; jedoch, falls die Bedingungengleicher Produktion in ^ und L wesentlich differieren, einevielleicht außerordentliche Vermehrung des Genießens.
Angenommen, daß in ^. wie L die gleichen Rohstoffe, z. B.Weizen und Kohle, gewonnen werden können. Aber in ^ bringtein gegebenes Arbeitsquantum, im Durchschnitt, 10 Centner Weizen,in L nur 5 Centner; umgekehrt bringt in ^ ein gegebenes Arbeits-quantum 5 Centner Kohle, in L dagegen 10 Centner.
!) Daß die Produktion sich auf nur Einem Territorium konzentriere, vonEinem Volke allein der Gesamtbedarf der Volker an Gütern einer bestimmtenArt, z.B. Weizen oder Eisenerz, gedeckt werde, kann, wenigstens was die Roh-stoffe betrifft, nur ausnahmsweise die Wirkung der Weltwirtschaft sein: jenesGesetzes des abnehmenden Ertrags (S. 8 ff.) halber.