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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
Entstehung
Seite
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Daß der Verkehr eine Vermehrung der konsumtiven Güter-mengen, ein Reicherwerden des Volkes in quantitativer Hinsicht,bewirkt, hat aber noch eine zweite Ursache.

L. Von Natur und weiter worauf hier nicht näher ein-gegangen werden soll auch socialwirtschaftlicher Verhältnissehalber liegen die Bedingungen für gleiche Produktion, fürErzeugung der gleichen Güterart, für das eine Volk günstiger,für das andere ungünstiger, steht die Produktivität hier höher,dort tiefer.

Mit gleicher Arbeit vermag das eine Volk, im Durchschnittder Jahre, mehr Rohstoff dieser und jener Art zu gewinnen, dasandere weniger. Hier gedeihen z. B. Weizen und Roggen besser,dort Mais und Gerste; hier sind Eisen und Zinn mit geringenKosten produzibel, dort Kohlen und Salz. Und dasselbe gilt fürdie Rohstoffverarbeitnng. Wie die Bedingungen für Erzeugungvon Weizen und Eisenerz differieren von Volk zu Volk, so differierenauch die Bedingungen für Verarbeitung des Weizens zu Mehl,des Erzes zu Roheisen. Doch hält sich die Differenz der Produk-tivität gleicher industrieller Arbeit wenigstens soweit dieseDifferenz das Ergebnis natürlicher Einflüsse ist in der Regelinnerhalb engerer Grenzen als die gleicher Rohstoffarbeit.

Wirtschaftet ein Volk isoliert, so muß es seine nationale Arbeitan die Produktion aller der Güterarten setzen, deren es begehrt mögen die Bedingungen gut oder schlecht stehen, die betreffendenGüter wenig oder viel Arbeit verschlingen.

Durch den Verkehr erschließt sich jedes Volk die Möglichkeit,seine nationale Arbeit ausschließlich, oder wenigstens hauptsächlich,an die Produktion solcher Güterarten zu setzen, hinsichtlich derensie verhältnismäßig am produktivsten ist.

Pflegen die Völker Austausch, teilen sie die Arbeit der Be-darfsbefriedigung untereinander, so wird ihre Arbeit auf jeden Fallprodukiver, in vielen Fällen weit produktiver, wie wenn sie auf solcheKooperation verzichten.

Landeigentümer einerseits, die Arbeiter anderseits. Die Kapitalisten-Unternehmerhaben an der wirtschaftspolitischen Kontroverse: Industrialisierung, oder Agrari-sierung, ein sekundäres Interesse.

Dietzel, Weltwirtschaft und Volkswirtschaft. 2