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Fortschritt? Man thue so, als ob wir „uns in einer allgemeinenGlückseligkeit wälzten"; und beweise dies z. B. damit, daß jetzt vielmehr Kaffee und Kakao konsumiert werde als vor 50 Jahren, derVerbrauch an Cylinderhüten und Regenschirmen großartig zuge-nommen habe, die Baumwollenstoffe mehrere Dutzeud mal billigergeworden seien. Solches preise man „in materialistischem Entzücken...als Maßstab des Kulturfortschrittes". Man triumphiereüber jede 100 Millionen Mark, um die der auswärtige Handelwächst — „als ob damit das menschliche Glück auch um so vieleMillionen innerhalb der Nation gewachsen wäre". Bedeute wirtlichder sogenannte ökonomische Fortschritt „eine Steigerung irgendwelcher Genüsse, die ernsthaft ins Gewicht fällt"? Der Fortschrittkönne doch weder nach Geld, noch nach Warenquantitüten kalkuliertwerden; er sei „auf den Menschen zu beziehen".
Gewiß nicht nach Geld; weshalb aber nicht nach Warenquanti-täten? Beziehen wir ihn denn nicht auf den Menschen, wennverglichen wird das, was einst, mit dem, was jetzt verbraucht wird?Kann denn der ökonomische Fortschritt anders gemessen werden?Erfreut man sich, wenn man Konsnmtionsmengen vergleicht, „amkapitalistischen, geldwirtschaftlichen Fortschritt", bleibt man dabei„echt manchesterlich am Geldausdruck der Dinge haften"?^)
Aber der Pessimismus leugnet auch, daß bei Anlegung diesesMaßstabes ein Fortschritt sich ergebe. Ob denn dieser Mehrkousumvon „lauter entbehrlichen Gegenständen", so viel Aufhebenswert sei? Die Nahrung sei „nicht billiger . . . und nicht wesentlichbesser . .., die Wohnung eher teurer und schlechter geworden".Nur Weniges bleibe, was „wirklich als realer Faktor ins Gewichtfällt, so der Fortschritt im Beleuchtungswesen, Verbilligung desPetroleums u. s. w."
Ja, allerdings: u. s. w.!
Da die verwickelte Frage betreffs der Gestaltung des Wohnungs-wesens hier so knapp abgethan wird, so darf auch knapp entgegnetwerden. Daß das Wohnen teurer geworden ist, unterliegt keinemZweifel; d. h. absolut teurer — ob es relativ teurer geworden,läßt sich allgemein nicht entscheiden. Daß es „eher schlechter" ge-