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Die Erörterung dieses kontroversen Themas würde hier zuweit führen. Nur ganz kurz darf ich bemerken:
1. Wäre jene Frage zu bejahen ^) — wäre der Satz, je mehrVerkehr, desto größer die Gefahr von Überproduktion und Krisis,richtig — so wäre immerhin zu replizieren, daß auch dies Passivumwohl überwogen werde durch jeues mehrfach oben (S. 20, 42) er-wähnte Aktivum. Die Störungen, die einem isolierten Volke drohenznfolge des, durch die Launen der Natur verhängten Wechsels vonÜber- nnd Unterproduktion in der nationalen Landwirtschaft,schrumpfen ein dank dem Verkehr. Verglichen mit ihnen erscheinendie Störungen, welche einem der Weltwirtschaft angeschlossenenVolke zufolge von Rechenfehlern der Menschen drohen mögen, alsdas kleinere Übel. Weil ein größeres Übel vermieden wird, mußdies kleinere Übel geduldig ertragen werden — die Bewertung undGestaltung wirtschaftlicher Zustände kann nur nach dem Prinzipdes .raillimura raalura" erfolgen.
2. Jene Frage ist aber zu verneinen; jener Satz ist falsch,der umgekehrte richtig.
Für ein Volk, das erst in das Geleise der Weltwirtschafteinlenkt, ist die Gefahr von Überproduktion und Krisis allerdingseine ziemlich große. Je länger aber ein Volk auf diesem Geleisesich bewegt, desto geringer wird sie. Wie das Risiko, das der Außen-handel wegen jener Möglichkeit zeitweiser Störungen involviert,mit quantitativer nnd qualitativer Ausdehnung des Außenhandelsherabgeht, so auch die Gefahr von Überproduktion und Krisis.
„Die Krisentheorie hat sich nicht bestätigt — sagte neulich derAbg. Heyl zu Herrnsheim (28. November 1899) — es hat sich imGegenteil herausgestellt, daß infolge der immer ausgedehnte-ren Weltwirtschaft die Krisen immer mehr abnehmen"
2.
Zweitens wird die Doktrin von der prekären Lage eines indie Weltwirtschaft verschlungenen Volkes begründet mit dem Argu-ment der Möglichkeit dauernden Rückganges des Außenhandels. —
Vgl. z. B. Ad. Wagner, Grundlegung, Bd. I, S. 369.