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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
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erfolgen müsse; der Termin könne wohl verschoben, nicht aufgehobenwerden. Gleichviel ob die Rohstoffstaaten von heute demnächst eineagrarisch-freihändlerische oder industriell-schutzzöllnerische Politiktrieben ihre Industrialisierung sei nur eine Frage der Zeit; undwenn diese Zeit reif sei, werde die Uhr des Fabrikatenexports West-europas abgelaufen sein.

II. Selbst wenn, wie bisher angenommen, die Behauptung,daß Industrialisierung der Rohstoffstaaten Einschwinden des Ex-ports der Industriestaaten bedeute, voll und ganz zuträfe, dürfteWesteuropa solcher Rückbildung seiner Volkswirtschaft, da sie nurallmählich vor sich gehen würde, gelassen entgegensehen wärees Thorheit, wollten Deutschland u. s. w. schon jetzt den Kurseigenwirtschaftlicher Unabhängigkeit" steuern, ungefähr gleiche Thor-heit wie aus Furcht vor dem Tode Selbstmord zu verüben.

In Wahrheit ist aber jene Behauptung sofern sie ihrenInhalt als gewiß, nicht bloß als möglich setzt überaus an-fechtbar. Sie beruht auf einem Irrtum, einem allerdings historischehrwürdigen Irrtum; denn er gehört zu denen, welche das social-ökonomische Denken als eine der Eierschalen seines Ursprungesin der Zeit derHandelseifersucht" bis heute mit sich fortschleppt.

HuioHuiä alieudi aäjicitur, aliki ckstraliitur sBaco); ein Volkkann an Reichtum nur gewinnen, wenn, und nur fo viel gewinnen,wie ein anderes verliert. Im Bann dieser Anschauung stand dieüberwiegende Mehrzahl der Staatsmänner und Publizisten dermerkantilistischen Ära. Voll grimmigen Neides blickte jede Nationauf die aufstrebenden Nachbarn, suchte die industrielle Entwickelungder Länder, die ihr bisher Absatzgebiete gewesen waren gleich-viel ob fremde Staaten oder eigene Kolonien, um jeden Preisniederzuhalten, z. B. dadurch daß sie der Ausfuhr von Kapitalien,Arbeitskräften, Maschinen wehrte.

Es war eine der geistigen Großthaten des jnngen Liberalismus(D. Hume, Ad. Smith), daß er die theoretische Basis dieser PolitikderHandelseifersucht" zerstörte daß er die Doktrin von derabsoluten Disharmonie der wirtschaftlichen Interessen der Völkerverneinte.

Im Verhältnis, wie die Bewohner eines Landes wohlhabender