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und geschickter werden" — heißt es bei Hnme — „steigern sich ihreBedürfnisse; je mehr sie selbst produzieren, je größer die Mengeaustauschfähiger Dinge, die sie hervorbringen, desto mehr könnenund werden sie von den Bewohnern anderer Länder kaufen, destobessere, kauffähigere Kunden für diese werden. ... Die nationaleIndustrie eines Volkes kann selbst durch den größten Wohlstandseiner Nachbarn keinen Schaden nehmen. . .. Falls freier Ver-kehr zwischen ihnen besteht, wird die nationale Industrie einerjeden Nation durch die zunehmende Kultur aller anderen eineSteigerung erfahren."
„Freimütig will ich gestehen" — so schließt der berühmteEssay über die „Handelseifersucht" —, „daß ich nicht nur als Mensch,sondern auch als Engländer den wirtschaftlichen Fortschritt Deutsch-lands, Spaniens, Italiens, und selbst Frankreichs " — des Feindes— „wünschte; England wie alle übrigen Nationen würden blühen-der sein."^)
Wenden wir diese Sätze auf die Doktrin von der „rückläufigenBewegung" an, deren theoretische Basis genau die gleiche ist wiedie der Politik der „Handelseifersucht".
Wenn die Rohstoffstaaten von heute künftig industriell empor-kommen — wenn sie gewisse Fabrikate, die sie jetzt schon produ-zieren, und andere Fabrikate, die sie heute noch nicht produ-zieren, so billig zu erzeugen lernen werden, daß bezüglich jener wiedieser die Konkurrenzfähigkeit der Industriestaaten aufhört, so mußnatürlich in den betreffenden Exportindustrien Westeuropas einerückläufige Bewegung sich einstellen, welche für die Kapitalisten,Unternehmer, Arbeiter, die in ihnen thätig waren, fatal ist. Nichtaber muß die „Exportiudustrie" Westeuropas als ganze zu-sammenschrumpfen. Ist auch das Rentabilitätsinteresse gewisserBernfsgruppen durch das Emporkommen der „Industrie" in denRohstoffstaaten bedroht, so dagegen nicht — wenigstens nicht not-wendigerweise — das Produktivitätsiuteresse der Völker. ImGegenteil: es kann sein, daß neue, die Produktivität der nationalenArbeit hier wie dort steigernde Beziehungen des Verkehrs, neue
David Hume's Politische Versuche. Deutsche Übersetzung von 1800;S. 144—152.
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