betrieben werden werden, die gleichen sein wie die, welche West-europa dann betreiben wird? Und wird dort „Industrie" in sobeträchtlichem Umfange betrieben werden, daß der Import ausWesteuropa wesentlich zurückgeht?
Beides ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. E. v. Hallesagt uns zwar: dort könne man „fast Alles" erzeugen; in West-europa nicht. Nun, manche der „organischen Stoffe", die er alsMonopolartikel der Tropen namhaft macht, kann man auch beiuns haben — Baumwolle (früher in Sizilien), Reis (in Norditalien ),Seide (in Südfrankreich, Italien, selbst im Norden Deutschlands ),Tabak (Pfalz , Südrußland); Kaffee, Thee u. a. allerdings nicht.In den Tropen kann man — soweit es sich um Länder mit verti-kaler Gliederung handelt, die in den höheren Lagen denen der ge-mäßigten Zone ähnliche klimatische Verhältnisse ausweisen — nahezusämtliche „organische Stoffe" hervorbringen. Aber — so thörichtwie es von den Völkern Westeuropas wäre, wollten sie die Mög-lichkeit, Baumwolle, Reis, Seide, Tabak zu bauen, voll auspressen,so thöricht wäre es von den Völkern der Tropen, wollten sie allesdas produzieren, was sie produzieren können — wollte z. B. MexikoFlachs bauen behufs Entwickelung der „nationalen" Leinenindustrie,Brasilien da, wo Kaffeeplantagen ihr Gedeihen finden, Schafe weidenlassen, um deren Wolle im Lande zu verarbeiten, oder Indien dieTheekultur und Jutekultur einschränken und Kartoffeln oder Gersteziehen, um sich „unabhängig" zu machen von westeuropäischemBranntwein und Bier.
Die Länder der gemäßigten Zone haben für Produktion ge-wisser agrikoler Rohstoffe günstigere Bedingungen wie die Tropen;und umgekehrt. Diese Differenz der Produktionsbedingungen derRohstoffe sichert die Differenz der „Industrie" der Tropen undder der gemäßigten Zone. Man kann z. B. in Mexiko Flachsbauen — aber nur mittels künstlicher Bewässerung^); wenn dieweise Regierung nicht dem merkantilistischen Irrtum, dem schlimmenHang zur Polypragmosyne, huldigt, wird sie die nationale Arbeitlieber auf den Tabak, die Vanille u. s. w. hinlenken und die
-) Vgl. Export, 1899, S. 636.