XIV
In der ausdrücklich vorgeschriebenen Heranziehung auswärtigerKräfte liegt der Schwerpunkt der ganzen Einrichtung. Durch siewerden die Inhaber der Lehrämter aus der Jsolirung befreit, in dersie sich, verglichen mit den Universitätsprvfessoren, befinden. Währenddiese nicht nur am Orte ihres Wirkens sich der Theilnahme an einergelehrten Körperschaft erfreuen, sondern weit darüber hinaus in Folgeder historischen Solidarität aller gleichartigen Institute als Mitgliederder Rsspublieg, ckootorum einen steten moralischen Rückhalt und Grad-messer ihrer Leistungen besitzen, sind die Inhaber der Lehrämter inDresden völlig isolirt uud daher nothwendig ans den Vergleich mitauswärtigen Fachgenossen angewiesen. Es ist ein großer Gewinn fürdie Würdigung ihrer Leistungen, wenn das Pnblikum in den Standgesetzt ist, sich daneben bei den anerkanntesten Fachmännern Raths zuerholen, und es bewahrt die Stiftung vor der Gefahr, auf welche derAltmeister der neueren deutschen Nationalökonomie Wilhelm Röscherin einem Briefe an den Verfasser eindringlich hinwies, daß ihre Thätig-keit möglicher Weise nur zu einer Vermehrung der im Ucberflusse dar-gebotenen minderwertigen populären Vorträge führen könnte.
Dieser Verwäsferung, die der Gemeinverständlichkeit dienen will undnur die Plattheit befördert, liegt, wie Verfasser aus langjähriger Praxisversichern kann, eine arge Unterschätzung der Fassungskraft der nichtdurch höhere Schuleu gegangenen Masse des Volkes zu Gruude. DieArbeit eines gehobenen Volksschulunterrichtes, der Einfluß der auchden bescheidensten Mitteln zugängigen Literatur, endlich die Wirkungdes praktischen Lebens, welches die verschiedenen Volkselemente vielmehr als früher durcheinander mischt und aneinander reibt, hat imLaufe eines Menschenalters in diesen Kreisen eine erstaunliche Ver-änderung zu Wege gebracht, welcher sich Derjenige nicht verschließendarf, der heutzutage mit Erfolg znm Volke sprechen will.
Die Mitwirkung von Männern, welche in den obersten Bildungs-schichten zn arbeiten gewohnt sind, ist ein kräftiges Gegengewicht gegenein etwaiges Hcrabgchen des LehrtoneS, wozn bei der Gehe-Stiftungan sich um so weniger eine Veranlassung vorliegt, weil die Stiftungs-urkuude ihr gar nicht die Pvpulnrisirung der Wissenschaft zur Aufgabestellt, sondern sie auf die „umfäuglicheu gebildeten Schichten" hinweist,die sie zur Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Aufgaben geschickt machen solle.Daß dieseSchichten sich sichtlich erweitern, ist eine erfreulicheThatsache, abererst recht kein Grund, den Ton des Vvrtrags zn ändern oder herabzustimmen.