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V. Die Romantiker.
Ruhm weiter für die jungen Künstler: man gewöhnte sich vonihnen Meisterwerke zu erwarten. Aber es stellte sich bald heraus,daß sie im Grunde nicht bedeutender waren als andere, daß nur ihreArt nen und überraschend war. Sobald man diese sattsam kannte,forderte die böse Welt von ihnen wieder Überraschendes. Und siekonnten doch nicht mehr bieten als in ihnen war; der allzu früherworbene Ruhm machte, daß man sie mit uubilligeu Ansprüchenplagte. Man hatte sie in den Olymp gesetzt, weil sie ein paarbrave Bilder gemalt hatten, und verlangte nun von ihnen, sie solltenals Götter weiter schaffen. Das Mißverhältnis zwischen ihrer that-sächlichen Bedeutung und ihrem Ruhm hat sie schon in Lebzeitenin Zwiespalt mit sich gebracht, soweit uicht die liebe Eitelkeit sieselbst glauben machte, sie seien Götter. Hübner hat diese Gewißheitnie verlassen, so erbärmlich seine späteren Bilder waren.
Die stärkste Natur war K. F. Lessing. Er schlug mit den:Trauernden Königspaar den Ton an, der nicht von Schadow aus-ging, sondern von unten aus seiner Schule heraus den Akademie-direktor packte. Die Ballade im Sinn der Schotten, die düstere,romantische, wehleidige, schmerzensvolle war es, die ihn ergriffen hatte.Ritterburgen und Klosterhöfe bei Nacht, in Ruinen, Todesgedanken.Der Kritiker Gruppe sagte, diese Werke seieu von der Natur empfangenund im warmen Gemüte getragen. Aber sie sind geboren von einemGroßstädter, der das Gruseln liebt, und der die Traurigkeit gottvollfindet, der sich bemüht zu rühren, Thränen zu lockeu, obgleich erein kreuzlustiger, schöner, starker, vornehmer Bursch ist, ein Bursch,der auf dem Heimweg von der Jagd, im stillen nächtigen Waldsich seinen Uhland mit klagendem Ton vorsagt: Hast du dasSchloß gesehen, das hohe Schloß am Meer?
Als Lessing älter wurde, sah er wohl ein, daß mit dieserRomantik nicht die Höhen seines Könnens zu erreichen seien. Nebenihm schufen die frommen Künstler ihre Heiligenbilder, die von derWelt als ernster, tiefer, künstlerisch, weil gedanklich höherstehendgefeiert wurden. Selbst in einer minder Politisch angehauchtenZeit als der vor der achtuudvierziger Revolution, selbst in einerUmgebung, die den Liberalen weniger zum Widerspruch reizte alsdas Rheinland , hätte eine Kunst, die den gedanklichen Inhalt so in