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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Andreas und Oswald Achenbach .

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lange die erwünschte Qnelle gewesen ist, die dort die Natur nachhergebrachten, vom Ponssin nnd Claude Lorrain abgeleitetem Kanonund Rezept der höheren Knnstschönheit nmmvdeln und arrangierenzu müssen glaubten! Man glaubt einen Modernen zu hören, deretwa über Liebermann schreibt nnd Achenbach die Leviten liest.O du heiliger Böcklin, sagte in? selben Jahre Stauffer-Bern , dn bistwirklich der einzige, der bis dahin Wasser und Meer gemalt hat.Achenbach und Konsorten malen auswendig, nicht auf unmittelbareBeobachtung begründet: Seisenschaum und Mehlsuppe und Pinsel-gymnastik, aber kein Meer. Das ist Specialistentum. Acheubachhat seit dreißig Jahreu beinahe nichts, gar nichts gemalt als immerdasselbe sogenannte stnrmgepeitschte Meer oder denselben Mühlbachmit derselben Mühle in derselben Stimmung! Es war, sagt Pietschdagegen, als habe Achenbach erst die Maler die unbegrenzte Ver-schiedenheit, den unerschöpflichen Reichtum des Meeres erkennen ge-lehrt, das er mit unvergleichlicher Thatkraft, leidenschaftlichemdramatischem Leben schildert! Da kann nun jeder sich seinen Achen-bach aus der Kritik heraussuchen, wie er ihm paßt. Thatsächlichist nun, daß er den in den Niederlanden und von Everdingen an-geregten, in Norwegen aufgenommenen bläulichen, kälteren Ton, unddie Düsseldorfer Spitzmalerei 1844 in Italien aufgab, sich dort einerinzwischen schon sertigen Auffassung anschließend, die Breite des Vor-trags und die Tonigkeit der farbigen Behandlung annahm. Aber erfügte ihr einen bestechenden Reiz für das Bewegte, Lebendige hinzu,für das fließende Wasser, die stark sich austürmenden Wolkeil, dieStürme auf Land uud See, für eine Dramatik, wie sie neben ihmnamentlich Calame entwickelt hatte. Er hat Ausgezeichnetes aufdiesem Gebiete geleistet, und Pietsch hat ein gutes Recht ihn zuseiern; aber er hat dasselbe mit immer geringerer geistiger An-strengung fortgemalt, und wer mir den alten Achenbach kennt,durfte über ihn urteilen, wie es Stauffer that.

Noch vor wenigen Jahren begrüßte Oswald Achenbach meinenPater als jenen, der ihn Italien darstellen gelehrt habe. Dieseraber hat sich immer dahin geäußert, Achenbach habe ihn weit über-troffen. Ohne Neid ließ er ihm uubedingt den Vortritt, den erauch iu der Öffentlichkeit durchaus besaß, da er bald als einer unserer

GurliN, 19. Jahrh. 26