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ihm notwendig entgegengesetzt. Es ließe sich eigentlich nurin Negationen davon reden, etwa in folgender Weise: dubist nicht dazu da, Lust zn suchen und Schmerz zu vermeiden,sondern der Lust zu entsagen und Leid auf dich zu nehmen,nicht dem Diesseits zu leben, sondern einem durchaus ent-gegengesetzten Jenseits; denn jenes ist nur scheinbar, ver-gänglich uud wenig geeignet, ein sicherer Grund deines Daseinszu sein, letzteres dagegen ist das einzig Wahre, auf das dusicher dein Dasein gründen kannst.
Solche negative Sätze jedoch sind für den, der nichtbereits von religiösen Vorstellungen erfüllt ist, bedeutungslos.Der Mensch muß ein bestimmtes Ziel denken, dem er sichaufopfern, einen bestimmten Gegenstand, den er lieben kann;ohne das sind Aufopferung und Hingabe undenkbar. Wiedaher das egoistische Wollen als notwendiges Korrelat diesinnliche Welt hervorbringt, so ist die notwendige Begleit-erscheinung des altruistischen, d. h, gesellschaftlichen Wollcnscbeufalls eine Welt von Vorstellungen. .Dieselben sind zwarauch aus sinnlichem Material aufgebaut, denn der Mensch,als zeitliches Wesen, verfügt über kein anderes. Dagegenhaben sie eine andere Bedeutung, als ihnen nach rein ver-standesgemäßer Betrachtung znkommt, sie sind Symbole, alssolche eine „Verkörperung des Unendlichen". Denn „dasUnendliche muß sich mit dem Endlichen verschmelzen, umsichtbar uud sozusagen faßbar dazustehen". „Durch Sym-bole wird der Mensch", d. h. der gesellschaftliche Mensch,„sei es bewnßt oder unbewußt geleitet,"^) Als einfachesBeispiel eines solchen Symbols führt Carlyle die Fahne desSoldaten an. „Habe ich nicht selbst erlebt," sagt der SartorResartus, „wie fünfhundert lebendige Soldaten sich um einesglänzenden Stückes Tuch willen, das sie ihre Fahne nannten,und wofür man auf keinem Trödelmarkt mehr als dreiGroschen bekommen hätte, in Stücke hauen ließen?" Mansieht an diesem Fall, wie es ein gewisser, nach Nützlichkcits-gründen nicht zu berechnender Wert ist, welchen die Menschen