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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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50
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so

gehen, sondern als eine Täuschung, ein Schein-Ding (susro.-toinA), welches er besser nicht gethan hätte."*)

Je mehr seine Thätigkeit den Charakter der Arbeit an-nimmt, desto mehr hört der Mensch auf, als Individuumthätig zu sein, desto mehr wird er zum Organ der Gesell-schaft. Letztere muß ihn daher arbeitsfähig erhalten, ähnlichwie das Ganze des lebenden Körpers die einzelnen Zellenmit Nahrung versieht. Dies ist die Bedeutung des Lohnes,dessen Höhe sich normalerwcise darnach richtet, wie vielnotwendig ist, damit der Arbeiter gerade die ihm eigentüm-liche Arbeit auszubilden und weiter zu liefern imstande sei.Dagegen beruht es auf einer vollständigen Vcrkennung desWesens der Arbeit, in der Bezahlung ein Äquivalent zusehen. Denn jede wahre Arbeit ist unschätzbar und mit demLohn sowie dem damit etwa zu erkaufenden Genuß schlechter-dings unvergleichlich.

Die Arbeit ist der einzige Zustand, in dem der Menschdes Glückes teilhaftig wird. Wenn die Selbstsucht denMenschen unglücklich macht, so findet er im selbstlosen ThunSelbstvergessenhcit.Gesegnet der," sagt Carlyle,der seineArbeit gefunden hat" Gleich dem alten Goethe sah er inderErfüllung der Pflicht, die am nächsten liegt", das einzigeMittel, um innere Kämpfe zu beseitigen.Dem Zweifel, seier von welcher Art er wolle, kann nur durch die Thätigkeitein Ende gemacht werden."Eigentlich hast du gar keineandere Kenntnis als die, welche du durch das Arbeiten er-worben hast; das Übrige ist alles nur eine Hypothese, eineSache, worüber man in Schulen streitet, eine Sache, die sichin endlosen logischen Zirkeln dreht."Der Mensch vervoll-kommnet sich durch die Arbeit. Selbst bei den niederstenGattungen von Arbeit wird die ganze Seele des Menschenvon dem Augenblicke an, wo er sich an die Arbeit macht,in einem gewissen Grad von Harmonie versetzt" allesAussprüche Carlylcs.

Wenden wir uns von dem Einfluß des Glaubeus auf die

*) Vergl. Carlyle, ?a.st - ?rssMt, Buch III, Kap. II.