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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Als solcher ist cr eine unwiderstehliche Macht.Freilich,viele Nichtigkeiten, die sich protestantisch nennen, sind tot.Aber Protestantismus selbst, so viel ich Weiß, ist nicht tot;er hat in diesen Tagen seinen Goethe und seinen Napoleonhervorgebracht, die deutsche Litteratur und die französischeRevolution, recht bedeutende Lebenszeichen. Ja, im Grundewas ist anders am Leben heute als Protestantismus ?"

Auch hier bewährt sich' der Zusammenhang zwischenden inneren und äußeren Formen der Gesellschaft. Wenn diedeutsche Reformation lediglich das überlieferte Glaubcnssystcmbekämpft hatte, so wandte sich die englische bereits gegen diepolitische Ordnung. So hat die von der Reformation aus-gehende Bewegung überhaupt einen doppelten Charakter:einen intellektuellen und einen sozialen. Auf der einen Seiteentspricht dieser negativen Entwicklung der fortschreitendeVerfall auch der von der Reformation noch festgehaltenenGlaubensformcn, das Überwiegen des Skeptizismus, das end-liche Anlangen beim Materialismus. Auf der andern Seiteentspricht ihr die Zerstörung des überlieferten sozialen Systemsin langsam friedlicher oder gewaltsam revolutionärer Weise.Die große französische Revolution und ihre Gedankenwelt istein Ausdruck dieser Bewegung; ihr entspringt des weiternder vulgäre Konstitutionalismus, der Radikalismus, die Sozial-dcmokratie und endlich als letzte Phase der Anarchismus derNeuzeit. Alle diese Richtungen tragen einen verwandten Zugund gehen, wie Carlyle trotz seines Puritanismus zu sagensich nicht scheut, auf die Reformation zurück alsdie großeWurzel, aus welcher die ganze folgende europäische Geschichtehervorgewachsen ist. Denn das Intellektuelle wird sich stetsim Sozialen verkörpern."*)

Schwere Kämpfe und Entzweiungen, Auflösung der be-

Ssross aiiä tisi-ovoi-sliix S. 147. In dieser Auffassungder Reformation berührt sich Carlyle mit Comte. Vergl.vos. tom. V die letzten Kapitel. Nach ihm ist mit Auflösung deskatholischen Glaubenssystems die Gesellschaft in einemsts.t äs