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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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den leitenden Klassen der Nation einzunehmen. ViererleiWege stehen ihm offen: drei feststehende und geregelte, einungebahnter. Die ersteren sind, natürlich englische Verhält-nisse ins Auge gefaßt, Parlament, Recht und Kirche. Hiervonsagt Carlyle: die letzteren beiden verlangen von einemManne, der die Bildungsclcmcute seiner Zeit in sich auf-genommen hat, vielfach Annahme von Dingen, die ihm un-wahr erscheinen. Werden diese Berufe verschmäht, so bleibtin englischen Verhältnissen nur die Litteratur. Carlyle hatkeine Gelegenheit versäumt, jungen Freunden abzuraten, indieses Meer sich zu stürzen, das schon so viele verschlungenhabe.^) Die Erscheinungen, welche die große Welt durch-ziehen, wiederholen sich hier- eine schonungslose Konkurrenz,gewissenlose Reklame und Vorherrschen selbstsüchtiger Motive.Zugleich teilt sie mit ihr das Ungeregelte, die damit ver-bundene Isolierung des Einzelnen, während jene anderenBerufe doch wenigstens eine ans alter Zeit überkommeneOrganisation besitzen.

Bezeichnenderweise sind alle vier Berufe, welche demManne heute Einfluß über seine Mitmenschen verschaffen,wie Carlyle sich ausdrückt,redender Natur".

Carlyle fragt nuu zweitens, wie üben diejenigen, welchein der soeben geschilderten Weise zur Herrschaft gelangt sind,diesen Beruf aus? Ursprünglich war das Parlament her-vorgegangen aus formlosen Zusammenkünften der Großen,mit welchen der König die Zustäude der einzelnen Teile desReiches beratschlagte. In der rechtlichen Form, in der essich später feststellte, war es eine wirkliche Vertretung desVolkes, d. h. ein Abbild der in ihm vorhandenen Mächte.Es übte so thatsächlich den Berns aus, welcher nach Carlyleder dem Parlamente eigentümliche ist. Dasselbe setzt denHerrscher in Kenntnis von den bestehenden Machtverhältnisscu.Nicht als ob bcr absolute Herrscher in dieser Hinsicht wenigergebunden wäre. Auch er kann dieGesetze des Universums",

Brief an James Dodds vom 5. Februar 1840. Abgedrucktin Fischer, Th. Carlyle, Geschichte seines Lebens, 1882.