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d. h. die Macht dcr Thatsachen nicht ändern. Auch er ist,wie der konstitutionelle Herrscher, darauf angewiesen, dieselbenmöglichst genau zu erkennen, um ihnen seine Regiernngs-maßregcln anzupassen. Was mit jenen im Widerstreit steht,wird auch er uimmcr durchsetzen. Aber die Art und Weise,in welcher er sich über die Mächte des Widerstandes undder Unterstützung Klarheit verschafft, ist eine weniger voll-kommene. So ist beispielsweise unvollkommener die „sxxostlÄcto" Methode des Großhcrrn, der die Unzufriedenheitseiner Unterthanen an dcr Zahl dcr an ihren Ladcnthürcnangenagelten Bäcker erkennt. Unvollkommener ist auch diein Rußland gchandhabte Methode des „ässxotims raoäsröxs,r 1's,ssa.ssinkt", an der dem Zaren die Grenze seinesWillens klar wird.
Carlyle stellt von diesem Gesichtspunkte aus die Vor-züge der parlamentarischen Institution hoch. Gegensätzewerden hier mit Worten ausgefochten, die sich sonst mit denWaffen in der Hand vernichten würden. Eine ungeheureArbcitsersparnis wird damit geleistet, indem die Machtab-wäguug, auf welche nach Carlyle alle menschliche Geschichtezurückzuführen ist, sich in friedlicher Weise vollzieht. AberVoraussetzung dieser günstigen Wirkungen ist das Vorhanden-sein einer Gewalt neben !>'m Parlamente. Denn Carlylesieht in demselben doch nur ein Mittel, wenn auch vielleichtdas wichtigste, zur Führung der Herrschaft.*)
Neue Aufgaben jedoch, welche es seinem Wesen nachnie erfüllen kann, sind heute dem Parlamente zu teil gc-worden. Das englische Königsgeschlecht hatte seinen Berufverkauut und ist dafür durch Revolution gestürzt worden.Das lange Parlament erhielt bei dieser Gelegenheit jenenunnatürlichen Machtzuwachs, dcr alle anderen Gewalten inder seinen aufgehen ließ. Das Parlament wurde zum sou-veränen Herrscher der Nation erklärt. Als John Bradshawdiese Doctrin im Angesicht des Whitchall-Palastcs verkündete,
Vergl. für das Vorhergehende lütter I>g,raxn1öt,sS. 265, 290 u. a.
v. Schulze-Glivcrintz, Carlyle. g