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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Seite
140
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licht werden sollten. Häufig mochte das nicht der Fall sein,aber das wertvolle war, daß jene Ideen doch bestanden, unddaß jedes Entgegenhandeln als etwas, was nicht sein sollte,alsVerrat" empfunden wurde. Hentc sind jene Ideen er-loschen, neue nicht vorhanden.

Carlyle vergleicht den heutigen Industriellen im Gegen-satz zu dem Ritter der Vorzeit, der wenigstens dem Prinzipe >nach für Ideen und eine waltende Gerechtigkeit zu kämpfenhatte, mit dem Milden, der nur aus Beutclust in den Kampfziehe. Während jener mit seinen Vasallen verkettet war, sieFreud und Leid, Gewinn und Verlust zusammen trugen,benutzt heute der Reiche den Armen lediglich für seine Zwecke;er muß ihn am Leben erhalten, so lange er für ihn arbeitet,aber sobald er ihn entbehren kann, entledigt er sich seinernnd ,,glaubt durch die Bezahlung gewisser Schillinge undPfunde seine. Verbindlichkeiten mit triumphierender Voll-ständigkeit ledig zu seiu. Ist doch der Lohn, der versprochenwar, bis auf den letzten Pfennig gezahlt".*) Das schlimmsteaber dabei ist, daß selbst das Gefühl einer weiteren Ver-pflichtung von Besitz und Macht fast in allen Kreisen ver-loren gegangen ist.

Immer und immer wieder hat Carlyle seinen Lands-lcutcn an das Herz gelegt, daß der Arbcitsvertrag die Be-zichuugen zwischen den Klassen der Gesellschaft nicht erschöpfe.Er wird hiermit der Vater jener großen Bewegung, welche seitder Mitte des Jahrhunderts die Besitzenden ergreift und ihnendie Pflichten, welche ans dem Besitz herfließcn, in Erinncrnngbringt. Diese Bewegung war für die soziale EntwicklungEnglands und für die Herstellung eines friedlicheren Ver-hältnisses zwischen den beiden Klassen von größter Wichtigkeit.

Hören wir folgende Satirc Carlyles auf die bestehendenZustände:Der Herr von Pferden muß, wenn die Sommer-arbeit gethan ist, seine Pferde den Winter hindurch ernähren.Wenn er nun zu seinen Pferden sagte:Vierfüßler, ich habenicht länger Arbeit für euch, aber Arbeit giebt es zum ^

*) Vergl. ?k8t s- ?rsssnt Buch III, Kap. 9.