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Philosophie uralt. Die christliche Religion, wie in beschränk-terem Grade jede Religion überhaupt, beruht auf der Annahme,daß die Sinncnwclt nnr eine beschränkte, untergeordneteGittigkeit habe gegenüber einer transcendenten, durch denVerstand nicht faßbaren Realität*) Nur hierdurch hattendie Religionen den Individualismus übcUvnnden, indem jedesaltruistische Thun den Glauben an anßcrindividuelle Wertevoraussetzt. In Formen, wie sie der Denkweise ihrer Zeitangemessen waren, hatten die Religionen die idealistischeGrnndanschauung gefaßt. Dann als diese Formen veralteten,hatte man versucht, sie, die gar nicht dem Gebiete des Denkensentstammten, gcdaukcnmäßig zu beweisen. Dies war dasBestreben der spekulativen Metaphysik, jener „chronischenKrankheit des menschlichen Geistes". Zunächst war es einekonstruktive Spekulation gewesen, — unbewußt noch unterdem Einflüsse der überkommenen religiösen Vorstellungeu.Bald aber ward man innc, wie vergeblich jene Versucheseien. Hiermit setzte die skeptische Philosophie ein, derenWerk das Niederreißen der überkommenen religiösen undsittlichen Vorstellungen ist. Sie „von Pyrrho bis auf Hume und die unzähligen jüngeren Humes" leitet eine negativePeriode ein, welche zunächst für die geistige, sodann für diesoziale Organisation Auflösung bedeutet. Ihre Vollendungist, wie obeu gezeigt, die materialistische und ntilitarischeWeltanschauung.
In jener neuen von Deutschland ausgehenden Bewegungist aber die ganze vorhergehende Spekulation, sowohl dienoch konstruktive als die ihr folgende destruktive innerlichüberwunden, und damit jener negativen Periode des mensch-lichen Denkens ein Ziel gesetzt. Der Gruud davou ist der,daß sie die vorhergehende Philosophie nicht im einzelnen zuwiderlegen sucht, vielmehr dieselbe in sich aufnimmt. Einer-seits giebt sie zu, daß die sinnliche Erfahrung allein Gegen-stand der Erkenntnis sei, sie gesteht damit die erkenntnis-thcorctische Berechtigung der materialistischen Wcltbetrachtung
Niseslls-nsons Lsss-^s I, S. 278.