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Der Ritter kämpfte für Ideen: für Ehre, Fahne, König,Vaterland, denen er willig sein Leben opferte; und wennauch heute viele andere Motive in Betracht kommen, ganz ohnejene erstgenannten wäre doch auch heute ein Heer noch un-möglich. Ähnlich ist nun, um wieder zu positiven Gesell-schaftszuständen zu gelangen, jede menschliche Thätigkeit zugestalten; sie ist wieder auf Ziele, die außer dem Indivi-duum liegen, zu richten, wodurch wir zu einer „odivalr^ok ladour", einem Rittertum der Arbeit, gelangen werden.Das Beispiel weiter ausführend, kommt Carlyle zu folgendemVergleiche. Auch der Kampf mit den Waffen ist nicht immerein ritterlicher und organisierter gewesen. Der Indianerbekämpft seine Feinde, lediglich um sie zu vernichten undihre Skalpe in seinem Wigwam aufzuhängen. Ideen be-herrschen sein Kämpfen nicht; daher bringt es keine sozialeOrganisation hervor; es ist unhistorisch und das Gesamt-resultat aller jener zahlreichen Kriegszüge gleich Null. An-ders der Ritter. Er tötet nicht, sondern unterwirft seineschwächeren Nachbarn. Er sucht sie dauernd zu beherrschen.Bald schlingen sich weitere Bande, als die des Zwanges,zwischen ihm und seinen Hintersassen. Er zieht mit seinenVasallen aus, die mit und unter ihm kämpfen, und an seinenEroberungen uud Siegen Teil haben. Durch ihu wurde —mochte sich auch die Wirklichkeit nur bis zu gewissem Gradedem Ideal nähern — die Gesellschaft organisiert und dieeuropäische Geschichte hervorgebracht. Heute nnu hat derKampf, den alle menschliche Geschichte darstellt, insofern einenandern Charakter angenommen, als es nicht mehr ein Kampfmit „Waffen", sondern mit „Werkzeugen", nicht mehr Krieg,sondern Konkurrenz ist, und die Waffen wegen der Thatsacheder Demokratie und der Unmöglichkeit der Halsbandmethodenin Zukunft an Bedeutung verlieren müssen.
Wie benimmt sich der Nachfolger des alten Feudal-barons, der Führer in dem industriellen Kampfe, der Arbeit-geber? Er gleicht heute noch mehr dem Indianer als demRitter. Seine Banknoten sind ihm, was die Skalpe fürjene: an sich ebenso wertlos. „Er könnte ein Feldherr der