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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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schiedenen Zonen geboren". Dieser Zustand fand sich inEngland in der ersten Hälfte des Jahrhunderts, ganz ebensowie er seitdem in Deutschland sich entwickelt.

Wir führen euch," ruft Carlyle den oberen Klassenzu mit Beziehung auf die unteren,an die Küste eines un-geheuren Festlandes und fragen euch, ob ihr es nicht miteuern eignen Augen sehen, ob ihr nicht durch fremdartigeAnzeichen wahrnehmt, wie massig dunkel, unerforscht, unver-meidlich es daliegt. Ihr müßt es betreten. Zeit und Not-wendigkeit haben euch hierhin gebracht, wo es keinen andernAusweg giebt. Ihr mögt es betreten; wenn der ersteSchritt einmal gethan ist, so wird der nächste schon klarerund alle künftigen Schritte möglich sein." Es ist unsereAufgabe nicht, jene Stellen aufzuzählen, in denen Carlyleähnliche Gedanken ausspricht, in denen er die thätige wiedie unthätige Aristokratie seines Landes auffordertsich mitdiesem entsetzlichen, lebenden Chaos von Unwissenheit undHunger zu befreunden", in denen er sie daran erinnert, daßdas Leben dem Menschen geschenkt wurde, damit er esmutig und männlich wieder hinwegschenke". Hervorzuhebenist nur, daß hier der Punkt liegt, auf welchem Carlyle einenfast augenblicklichen, unberechenbaren Erfolg gehabt hat.Schon von diesem Gesichtspunkte aus ist er als einer dereinflußreichsten von den Faktoren zu betrachten, welche imLaufe dieses Jahrhunderts jenen vollständigen Umschwungin der Stellung der oberen Klassen zu den unteren in Eng-land bewirkten.

Carlyle predigt soziale Gesinnung. Aber dieselbe er-schöpft sich für ihn nicht in philanthropischen Werken. Waser verlangt, ist eine Veränderung des Beweggrundes: einÜberwiegen der altruistischen gegenüber den individualistischenMotiven. Überall, bei jedem Geschäft kann und soll diesoziale Gesinnung in Mitwirkung kommen und dadurch jedeThätigkeit wieder zur Höhe der Arbeit erhoben werden.Ein Beispiel, sagt Carlyle, welches, aus früherer Zeit über-kommen, uns noch heute eine solche Thätigkeit auf Grundvon sozialen Elementen vor Augen stellt, bietet das Heer.