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Während der Letzteren schwärmt man für Vermehrung desVolkes, die man unbedingt als eine Wohlthat betrachtet; hernachwieder ängstigt man sich vor Uebervölkerung. Nur Wenigehatten so viel Einsicht wie Heinrich IV. : La force et la richessed'im roi consistent dans le nombre et dans foptüence des sujets u. s. f.»
In schlechten Zeiten pflegt die Angst vor einer Ueber-völkerung zu praedominiren, während bei guten Conjuncturenselbst die dichteste Bevölkerung nicht ausreichend erscheint. Wennnun gar kritische Veränderungen der Weltwirthschaft eintreten,wie die grofsen überseeischen Einfuhren, welche die alten Länderzu einer neuen Art von Thätigkeit und einem Wechsel im Alt-hergebrachten zwingen, so bemächtigt sich der Welt gewöhnlicheine pessimistische Anschauung, die eine grofse Aehnlichkeit mitder von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Furcht vor dem Welt-untergänge besitzt. Unheimliche Prophezeiungen beängstigendann das Volk, und was noch vor kurzer Zeit als rosig galt, er-scheint in den schwärzesten Farben. Hierzu gehört auch dieFurcht vor dem vernichtenden Einflufs amerikanischer Productionund Gewerbfleifses auf unsere productiven Zustände. Ich will esununtersucht lassen, wie lange der raubbauartige Landwirthschafts-betrieb in den Vereinigten Staaten nachhalten kann. Ich haltees sogar für möglich, dafs die amerikanischen Getreide- undFleisch-Einfuhren noch auf lange Jahre hinaus den europäischenProducenten eine unbequeme Concurrenz bereiten, obwohl dieVerdichtung der dortigen Bevölkerung eine heimische Mehr-consumtion zur Folge haben mufs. Aber die Befürchtungvor einer Vernichtung der europäischen Industrie durch dieamerikanische ist eitel. Gerade die bedeutenden Exporte Amerikas müssen die Ursache einer regeren Importbewegung werden, dasich ohne Letztere dort alle Waarenpreise und Arbeitslöhne sogewaltig steigern müfsten, dafs die Production darunter litte. EinLand kann dauernd nicht ungestraft nur exportiren, und der Um-schwung in der amerikanischen Zollpolitik wird sich nothwendigerWeise im Verhältnisse seiner Ausfuhr zu Gunsten des Freihandelswenden, da die Interessen der Rohproduction die bisher geschützteIndustrie-Interessen zurückdrängen müfsen. Ueberhaupt ist dieFurcht vor der Gewerbthätigkeit eines anderen Landes mehr dasZeichen eines moralischen als eines materiellen Rückganges; Deramerikanische Gewerbfleifs hat bis jetzt in Europa nur in den-
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