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mehr oder minder grofsen Leichtigkeit der Versorgungsver-hältnisse steht und dafs der durch Auswanderung geschaffteRaum sich bald wieder aufs Neue ausfüllt, wenn die Ernährungs-verhätnisse hierdurch erleichtert werden. Roscher drückt sichhierüber folgendermafsen aus: «Die Volksvermehrung hat die Ten-denz, gerade so weit zu gehen, als das Mafs der Nahrungsmittel(im weiteren Sinne) mit den üblichen Bedürfnissen verglichen, irgendverstattet» und er fügt hinzu: «Dieses Naturgesetz ist in seinerArt ebenso unzweifelhaft als das Gesetz der Schwere. Jede Er-weiterung des Nahrungsspielraumes, mag sie nun auf vermehrterProduction oder auf vermindertem Bedürfnisse beruhen, ziehein Wachsen der Einwohnerzahl nach sich* und Carey sagt, in-dem er sich gegen Malthus wendet: «Die Bevölkerung der Länderüberlasse man ihr selbst und sie wird für sich selbst sorgen.Ohne ihr Wachsthum kann weder die Macht ökonomischer Ver-einigung noch die Liebe zur Eintracht und zum Frieden entstehen,welche für Verbreitung von Wohlstand und der Cultur des bestenBodens nöthig sind und ohne welche der Lohn für Arbeit nichtgrofs sein kann. Mit ihrem Wachsthum vergröfsert sich dieProduction, der Arbeiter kann einen höheren Lohn in An-spruch nehmen und hiermit einen weiteren Schritt zur Gleichheitder Lebensbedingungen thun».
Es wird vielfach auf die glänzenden Resultate der irischenAuswanderung hingewiesen, welche das Loos der Zurückgeblie-benen verbessert haben soll. Letzteres ist jedoch keineswegs indem Umfange, wie behauptet wird, der Fall gewesen, das Massen-elend ist dort auch heute noch sehr grofs. Die Verminderungder Bevölkerung war überdies nicht das Resultat der Auswande-rung allein, sondern es hat die Vermehrung aus vielen anderenGründen, namentlich aber in Folge der schlechten ErnährungsVerhältnisse, abgenommen. Die beispiellos wirthschaftliche Ver-kommenheit dieses Volkes, welche durch politische Mifsstände ge-fördert worden ist, hat die Armuth zu einer unerträglichen Höhegesteigert, gegen welche selbst die Elasticität des NationalCharakters in seiner seltenen Verbindung von Intelligenz undIndolenz nicht mehr ausreicht.
Die jetzige Generation hat die Sünden der früheren zubüfsen. Der Old-Irish Gentleman des vorigen Jahrhunderts, welchersein Hab und Gut mit einem enormen Train von abhängigen