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betrachtet die alte Heimath nur als eine materielle und moralischeStütze für seine Existenz; er verlangt von ihr Capital, Arbeitskräfte,Verkehrsmittel, Schutz und die geringen geistigen Bedürfnisse, zuwelchen ihm der fieberhafte Drang des Neuschaffens die Mufse läfst;aber er bietet ihr nichts dagegen. Er sucht, unbekümmert umpatriotische Gefühle, den günstigsten Markt für seinen Bedarfsowohl als für seinen Absatz auf und kehrt oft genug seinen Zoll-tarif selbst gegen das Mutterland. In der Colonie heifst es ruhelosbauen, um den Grund zu einer individuellen sowohl als staatlichenNeuexistenz zu legen. Jeder schafft und denkt für sich selbst, undwie in solchem Zustande das Individuum ein fast schrankenloses, oftzum Faustrecht hinneigendes Selbstbestimmungsrecht fordert, ebensoäufsert der neugeschaffene Staatskörper, im rücksichtslosen Egois-mus, das Verlangen nach Unabhängigkeit. Er lebt für sich selbstund unterwirft sich dem Mutterlande nur in soweit, als er dessenHilfe bedarf, aber Pflichten kennt er nur für sein eigenes engeresInteresse, das ihn oft genug vom Mutterlande trennt. DieseBedingungen haben England in der Behandlung seiner Colonien(wenn auch in den verschiedensten Formen) geleitet, seit-dem der Abfall der Vereinigten Staaten dem Mutterlande dieeindringliche Lehre ertheilt hat, dafs eine Colonie ihr eigenesselbstständiges Leben hat.
Wie schon bemerkt, verdankt England seinen Colonien einengrofsen Theil seines Handels sowohl als die raschere Entwickelungseiner Industrie, aber der leitende Grundsatz: «the trade followsthe flag» konnte sich nur da bewähren, wo alle Elemente zu einernatürlichen Entwickelung auf das günstigste vereint waren. Dieinsulare. Lage, die das Volk vor feindlichen Einfällen bewahrteund es frühzeitig zur Schifffahrt erzogen hat, der Ueberflufs anNaturproducten zu einer Zeit, in welcher politische Wirren undblutige Kriege die continentalen Völker zerfleischten und an derAusbeutung ihrer wirthschaftlichen Hilfsquellen behinderten, bil-deten die Grundlagen seiner Macht. Seine Kriege führte es haupt-sächlich zur See, und während es den continentalen Verbündetenmit viel Geld und wenig Truppen zur Hilfe kam, entstand einemächtige Kriegsmarine, welche den Spaniern, Holländern undFranzosen , die vom 16. bis 18. Jahrhundert unablässig colonisirthatten, ihre Besitzungen abjagte und der kräftig sich entwickelndenIndustrie neue sichere Absatzwege verschaffte, indem es den Han-