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totten steigert somit die Löhne und vertheuert hierdurch demColonisten die Arbeit. Der Erfolg der Colonie ist aber, wenn mansie nicht nur als eine Domäne der Weifsen betrachtet, geradedeshalb gesichert; doch wird sich Süd-Afrika aus diesem Grundeschon weniger zur Aufnahme grofser Massen von Europäerneignen, als Australien . Diese Verhältnisse erregen das Mifs-vergnügen der Boers, die das Land für sich allein als Herrenzu besitzen trachten und den Neger, soweit sie ihn nicht alsSklaven nöthig haben, ausrotten möchten; jedoch Herr v. Webersympathisirt mit ihnen und spricht von der «englischen neger-verziehenden und negerverhätschelnden Administration». Herrv. Weber ist, wenn ich nicht irre, ein eifriger Vorkämpfer für dieAntivivisectionsbewegung, deren humanen Grundgedanken manwohl würdigen kann, ohne alle ihre Consequenzen zu acceptiren.Soll denn aber die Humanität bei den Vierfüfslern aufhören,und haben die Zweihänder kein Anrecht an sie? Sicher ist Herrv. Weber nicht für Sklaverei; aber ist Zwangsarbeit gegen einenLohn, den der Arbeitsgeber einseitig zu bestimmen hat, ist einselbstständiges Züchtigungsrecht desselben etwas Anderes? Einejede humane Regierung wird, wenn sie sich des Arbeiters, sei erweifs oder schwarz, annimmt, von den Privilegirten mit scheelenAugen als tyrannisch angesehen werden und wenn die Boersder Transvaal-Republik Sympathien für das deutsche Reich ge-zeigt haben, (wie Herr v. Weber behauptet), so rühren dieselbenjedenfalls eher von einem Widerwillen gegen die englische Neger-verhätschelung, als von einer Hochschätzung unserer Regierungs-maximen her, die den isolirten Boers nur wenig bekannt seinkönnen. — Schwerlich würde sich ein, unter den humanenGrundsätzen unserer altpreufsischen Tradition grofsgezogenerpreufsischer Beamter mit seinen Verfügungen den Beifall unserer«afrikanischen Landsleute» erwerben. Es wäre vielmehr voraus-zusehen, dafs sich die Conflikte zwischen ihnen und uns schärferals die bisherigen mit den englischen Colonialbeamten zuspitzenwürden.
Ich will die englische Regierung bezüglich der Annectirungder Transvaalrepublik nicht weifswaschen. Vielleicht war sie eingrofser Fehler, der sich durch erneute Lasten rächen wird. Aberdie Transvaalregierung war thatsächlich unhaltbar geworden. Siebesafs weder Macht noch Mittel, und die englischen Besitzungen