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anderwärts, und die Bürger der «deutschen vereinigten Staatenvon Süd-Amerika» würden sich die Zumuthung, ihre Producte ausPatriotismus vorzugsweise nach deutschen Häfen zu schicken,ebenso wenig gefallen lassen, wie die ehemaligen englischenColonisten in Nord-Amerika damals das ostindische Monopolanerkennen wollten.
Es ist übrigens eine unrichtige Auffassung, wenn, wie es sohäufig geschieht, behauptet wird, dafs die Auswanderung fürunser Wirthschaftsgebiet so ganz verloren gegangen sei. SchonEmil Lehmann widerlegt dies in seiner im Jahre 1861 er-schienenen Schrift «die deutsche Auswanderung», durch Hinweisauf die Entwickelung der deutschen Rhederei. Diese ist aberseit dem Erscheinen jenes Buches noch um ein Bedeutendesgewachsen. Der Seeschifffahrtsverkehr im Hamburger Hafen ,welcher im Jahre 1801 nur 155000 Reg.-Tons betragen hat, undsich im Durchschnitt der Periode 1861 bis 1870 auf 1 260000 Tonsbelief, betrug im Jahre 1878 2273000 Tons, woran der trans-atlantische Verkehr mit 801000 gegen nur 301 000 Tons desJahres 1831 Theil genommen hat. Der transatlantische Handels-verkehr Bremens betrug im Durchschnitt der Jahre 1849—1851ca. 56 Millionen Mark gegen 296 Millionen Mark im Jahre 1877.Der Verkehr hat sich zweifellos im steigenden Verhältnisse mitder Auswanderung bewegt, und es ist dies kein zufälliges Zu-sammentreffen; denn die Auswanderungsschifffahrt hat einenbilligeren Frachtverkehr möglich gemacht und der Einflufs derunaufhörlichen Bewegung nach den Vereinigten Staaten hat unsereMärkte auf das Energischste belebt. Der Anschauung hingegen,die seit Kurzem Mode geworden ist, (die übrigens weder Herrv. Weber noch Herr Fabri theilen), dafs die Ausdehnungder Rhederei einen nur einseitigen Nutzen gewähre, verlohnt eskaum entgegenzutreten. Schiffe fahren nicht zum Vergnügen hinund her, sondern bringen uns Producte zur Ernährung, Benutzungund Weiterverarbeitung, sowie sie unsere Producte und Fabrikatenach andern Ländern zu denselben Zwecken transportiren.
Die englischen Auswanderungszififern zeigen es am deutlich-sten, wie wenig sich der Auswanderungszug vom Colonialbesitzbestimmen läfst und dafs man ihn nicht auf bestimmte Punktedirigiren kann. England , dessen politisches Interesse gegen dieAuswanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika ge-