Druckschrift 
Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Naturalwirtschaft, sobald der Landbesitz und die Reiche so großwerden, daß sie bei dem Fehlen eines ausgebildeten Systems von Ver-kehrsmitteln von einer Zentralstelle aus nicht mehr verwaltet werdenkönnen. Daher die feudale Wirtschaftsorganisation sich überall findet,wo bei Großbesitz Naturalwirtschaft vorherrscht und die Verkehrs-möglichkeit beschränkt ist. Ehedem hielt man sie für eine den ger-manischen Völkern eigentümliche Gesellschaftsverfassung, dem spezifischgermanischen Geiste entsprossen. Heute kennen wir sie als Stufe inder Entwicklung der Volkswirtschaft auch in anderen Ländern; sie istdort ähnlich entstanden und trägt den gleichen Charakter, von denJapanern im äußersten Osten angefangen bis über die westlichstenGestade Europas hinaus nach Mexiko und Peru . Ja wir sehen siemit dem Verfall der römischen Volkswirtschaft, mit der Rückbildungvon der Geld- zur Naturalwirtschaft, sogar eindringen ins Römerreich.Hier entsteht der saltus, aus dem die mittelalterliche Grundherrschaftherausgewachsen ist, und schon bevor die Franken in Gallien ein-gebrochen sind, hat jener dieselben verhängnisvollen Wirkungen fürden Fortbestand eines freien Bauernstands wie später diese gezeitigt.Auch finden wir schon vor der Scheidung des Römerreichs in eineöstliche und eine westliche Hälfte die römischen Kaiser aufs eifrigstebemüht, diesen vorzubeugen. *) Vergeblich! Die Natur der Dinge

Generationen gleichartige Geschäfte betrieben hat; es liefern aber die veröffentlichtenUrkunden nicht den sicheren Beweis, daß es berechtigt ist, von einer Firma Mu-rashü und Söhne in Nippur zu sprechen (Siehe Cuneiform Texts, ed. by H. V. Hil-precht and A. T. Clay. Philadelphia 1898, 1904). Dagegen war, auch wenn dasWort »Geschäft* in unserer Bedeutung in der antiken Welt wirklich nicht vorge-kommen sein sollte, so doch der Begriff des »Geschäfts« gegeben, so oft ein Römer einen Sklaven oder Freigelassenen mit einem Sachvermögen ausstattete, um es fürihn durch planmäßig wiederholten Abschluß von Verträgen über geldwerte Leistungenund Gegenleistungen zu verwerten. So war es unzweifelhaft ein Bankgeschäft«,das Kallistus, der Sklave des Karpophorus, mit dem Gelde seines Herrn auf einemöffentlichen Platze in Rom, der Piscina publica, betrieb. (Siehe Philosophumena sivehaeresium omnium confutatio ed. Patricius Cruce. Parisiis 1860, p. 436 ff.)

t

1 ) Vgl. hierzu besonders die drei Aufsätze von Henri Monnier , Etudes dedroit byzantin in der Nouvelle Revue historique du droit fran9ais et ötranger,XXIV. Band. Paris 1900.