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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
Entstehung
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die Wirtschaftsform, deren Zweck es ist, ein Sachvermögen durch eineReihe von Vertragsabschlüssen über geldwerte Leistungen und Gegen-leistungen zu verwerten, und kapitalistische Wirtschaftsordnung die,in welcher die kapitalistische Unternehmung die spezifische Wirtschafts-form ist (Sombart ). 1 )

Es liegt in der Natur der Dinge, daß uns der kapitalistisch be-triebene Erwerb am frühesten beim Handel entgegentritt. Denn derHandel kauft die Güter nicht, um sie technisch zu nutzen, sondernum sie zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen. Dem Handelsind sie bloße Verkörperungen von Geldwert und zwar von Geldwertzur Zeit, da er sie einkauft, und von Geldwert zur Zeit, da er siewieder verkauft. Seiner Tätigkeit eigentümlich ist also ein stetes Ver-gleichen und Rechnen. Er legt eine Geldsumme an in einer Ware,um diese wieder in eine Geldsumme zurückzuverwandeln. Er vergleichtalso die Geldsumme, die er anzulegen hat, mit der Geldsumme, dieer, wenn er sie in der einen oder anderen Ware anlegt, beim Wieder-verkauf erhält. Der Vergleich des angelegten mit dem wiederemp-fangenen Geldwert zeigt ihm den erzielten Überschuß, und sein Strebengeht dahin, daß dieser Überschuß möglichst groß sei.

behandelt wird, nicht als Kapital. Er will mit Knies den Begriff des Kapitals aufproduzierte Produktionsmittel beschränken. Ich erachte diese Beschränkung wederfür historisch noch für begrifflich gerechtfertigt. Gewiß bestehen Unterschiedezwischen den beliebig vermehrbaren und den begrenzt verfügbaren Kapitalien, unddiese Unterschiede sind von weittragender Bedeutung. Das hindert aber nicht, daßbeide nur Unterarten des umfassenderen Begriffs Kapital sind, was von nicht ge-ringer Wichtigkeit ist. Das hat vor Knies schon Hermann in seinen Staats-wirtschaftlichen Untersuchungen (i. Aufl. von 1832, S. 48; 2. Aufl. von 1870, S. 234)dargetan, und nach Knies hat Karl Menger , a. a. O. S. 11 ff. die Lehre, welcheden Begriff des Kapitals auf produzierte Produktionsmittel beschränken will, sehrzutreffend widerlegt. Vgl. auch meine Kritik der gegen die Subsumption des Bodensunter das Kapital gerichteten Ausführungen von Karl Rodbertus in meiner Agrar-politik I, Stuttgart 1897, S. 105 ff. Daß auch historisch der Boden, seitdem dieGeldwirtschaft sich in ihren ersten Anfängen geregt hat, als eine werbende Geld-summe behandelt worden ist, wird weiter unten sich zeigen. Und dem entsprichtauch, daß schon Lucas Paciolus in seinem Traktat von 1494 über die doppelteBuchhaltung die Felder unter den Gütern aufführt, die bei der Aufstellung der Bilanznach ihrem Geldwert zu buchen sind.

T ) Werner Sombart, Der moderne Kapitalismus. Leipzig 1902, I, 196.