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heimbrachten, daß sie, die bis dahin arm gewesen, in Reichtumschwammen. Und so war es nicht bloß in den Anfängen, sondernauch noch auf dem Höhepunkt des Feudalsystems. Die Haupterwerbs-tätigkeit der Herrenmenschen war der Krieg und dessen Ziel die Beute.Gab ihnen der Lehnsherr keine Beschäftigung, so zogen sie für eigeneRechnung auf Raub und Plünderung aus. Daher die mittelalterlichenChronisten selbst zu staunen scheinen, wenn sie einmal berichten, 1 ) eshabe in einem bestimmten Zeitpunkt Ruhe im ganzen Reich geherrscht;weit häufiger haben sie zu erzählen, »die ganze Welt war damals mitKrieg erfüllt, und fast alle Reichsfürsten befehdeten einander«. 2 * ) Nehmenwir mittelalterliche Chroniken zur Hand, so trifft man immer und immerwieder auf Sätze wie »Er sammelte ein Heer und erklärte dem Grafenvon X. Fehde« oder »er drang in das Gebiet des Herrn von Z. undverwüstete es«. Man lebte auf Kosten des Landes, das man mitKrieg überzog. Lang hat sich die Kirche vergeblich bemüht, diesemRauben und Morden Einhalt zu tun. Endlich im Jahre 1041 5 ) kamder berühmte Gottesfriede zustande, der die Fehden für die Zeit vonAdvent bis Dreikönig und vom 7. Sonntag vor Ostern bis zur Pfingst -oktave verbot und für die übrige Zeit des Jahres auf drei Tage inder Woche beschränkte. Aber die Großen wollten lange von derEinschränkung ihres privaten Eroberungsrechts nichts wissen. Dapredigte Papst Urban II. den Kreuzzug. Und wie es unter denkirchlichen Motiven, die zu den Kreuzzügen führten, eines war, dieKräfte von den inneren Fehden abzulenken, 4 ) so wurden Große und
z ) Vgl. Radewichs Fortsetzung der Denkwürdigkeiten aus dem Leben KaiserFriedrich I., den Anfang des ersten Buchs.
2 ) Vgl. Otto von Freising, Denkwürdigkeiten aus dem Leben Friedrichs I. Erstes Buch, zweiter Teil.
3 ) Im deutschen Reich ist er erst später zur Geltung gelangt. Vgl. KarlWilhelm Nitzsch, Geschichte des deutschen Volkes im 11. und 12. Jahrhundert.Leipzig 1883, II, 32, 110 flf.
4 ) Auf dem Konzil zu Clermont im Jahre 1095 hat Papst Urban II. gesagt:
»Non vos protrahat ulla possessio, ulla rei familiaris sollicitudo, quoniam terra haecquam inhabitatis clausura maris undique jugis montium circumdata numerositatevestra coangustatur. Nec copia divitiarum exuberat; vix sola alimenta suis cultoribus