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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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Kleine durch die Aussicht auf Bereicherung angelockt, welche dieTräume von den Schätzen Konstantinopels und der im Orient zumachenden Beute der bei allem religiösen Enthusiasmus golddurstigenSeele der Abendländer vorspiegelten. 1 ) Daher wenn ein Kreuzzugverkündet war, das Streben, sich mit möglichst viel eigenen und ge-dungenen Leuten zu beteiligen: denn damit steigerte man seinen An-spruch auf Beute und Land. Mit dem erstarkenden Königtum erfolgte

administrat. Inde est quod vos inuicem mordetis, comeditis; bella movetis, plerun-que mutuis vulneribus occiditis. Cessent igitur inter vos odia, conticescant iurgiabella quiescant, totius controversiae saepiantur. Viam Sancti Sepulchri incipite;terram illam nefariae genti aufeite, eamque vobis subiicite. Terra illa filiis Israela Deo in potestatem data fuit, sicut Scriptura dicit, quae lacte et melle fluit. Hie-rusalem est umbilicus terrarum, terra prae caeteris fructifera quasi alter paradisusdeliciarum.« Bongars Gesta Dei per Francos Hist. Hierosolimitana Roberti Mo-nachi über I, pp. 31. 32. Auch blieb die gewünschte Wirkung der Kreuzzüge fiirden inneren Frieden nicht aus. Otto von Freising , nachdem er berichtet hat,wie kurz vor dem ersten Kreuzzug die ganze Welt und das Reich insbesonders vonKrieg erfüllt gewesen, fährt fort: »Allein die Hand des Höchsten bewirkte plötzlicheine solche Veränderung, daß alle diese fürchterlichen Gewitter vorüberzogen, undin kurzer Zeit über die ganze Erde eine Stille verbreitet ward, was daher kam,daß unzählige Scharen in Deutschland und Frankreich gegen die Feinde des Kreuzesin den Krieg zogen.«

*) Dieser Beutelust hatte sich schon Alexius I. zu bedienen gesucht, um dieAbendländer wie ein großes Warägerkorps zur Wiedereroberung des an die Seld-schuken verloren gegangenen Kleinasiens zu vermögen. In einem Brief an denGrafen von Flandern preist er die Schätze Konstantinopels und die Schönheit dergriechischen Frauen (vgl. Gibbon, The Decline and Fall of the Roman Empire,Chapt. 57, ed. by J. B. Bury. London 1902, vol. VI, p. 251, Anm. 64. H. v. Sybel,Geschichte des 1. Kreuzzugs. 2. Auf!. Leipzig 1881, S. 7. 9; 260). Boemund, derFürst von Antiochien , der von seiner ersten Jugend an wie sein Vater Robert, dasZiel verfolgt hatte, Herr von Konstantinopel zu werden (vgl. Anna Comnena im6. und 10. Buch ihrer Denkwürdigkeiten aus dem Leben ihres Vaters), hat auf derim Jahre 11061107 zu Gunsten der Kreuzzüge unternommenen Agitationsreisedurch Frankreich die Kanzel in der Kirche bestiegen, da seine Schicksale undHeldentaten erzählt und, obwohl er durch Treueid der Mann des griechischenKaisers geworden war, alle Waffentragende aufgefordert, ihm gegen das Haupt-hindernis des Erfolgs der Kreuzzüge, gegen den griechischen Kaiser, zu folgen undals Lohn die reichsten Städte in Aussicht gestellt. »Worauf«, berichtet OrdericusVitalis, Hist. Ecclesiastica, üb. IX, Ausg. von A. Le Prevost, t. IV, Paris 1852,p. 213, »viele heftig erregt wurden, und nachdem sie das Kreuz genommen hatten,alles verließen, und' als ob sie zu Festmahlen eilten, den Weg nach Jerusalem ein-schlugen.«

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