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das, was später eine Zeitlang Venedig für den europäischen Handel war.« 1 )Die Amalfitaner besaßen nicht nur eine blühende Kolonie in Konstantinopel ,sondern Niederlassungen in allen mohamedanischen Seestädten und, schonvor der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, in dieser Stadt duacoenobia et unum xenodochium. Allenthalben sehen wir sie in Freundschaftmit den Arabern. Sie übermitteln Europa deren kommerziellen Fortschrittein rechtlicher und technischer Beziehung. In rechtlicher: Ihre Handels- undSeegesetze, die sogen, tabula Amalfitana, finden allgemeinen Eingang undwerden die Grundlage des späteren Consolato del mare. Diese tabula Amal-fitana aber beruht auf dem rhodischen Seerecht, wie es durch die Arabervermittelt wurde. Ferner: Sie machen den von den Arabern erfundenenKompaß allgemein bekannt; noch heute führt Amalfi den Kompaß imWappen. Die Münzen Amalfis wurden überall genommen. Amalfi ist amAusgang des ersten und Anfang des zweiten Jahrtausends die erste Handels-stadt des Occidents. Im n. Jahrhundert schreibt Guilelmus Apulus lib. 3de Normannis von den Amalfitanern:
Haec gens est toturn prope nobilitata per orbemEt mercanda ferens, et amans mercata referre.
Fulcandus 2 ) erwähnt anno 1189 Amalfitanorum vicum, peregrinarum quid’emmercium locupletem, in quo vestes diversi coloris ac pretii, tarn sericae, quamde gallico contextae vellere, emtoribus exponuntur, und Wilhelm von Tyrus sagt 3 ) nach Beschreibung der Lage der Stadt von ihren Bewohnern: Hujusregionis habitatores primi merces peregrinas et quas Oriens non noverat adsupra nominatas partes (hoc est ad regnum Hierosolymorum, Syriam etAegyptum) lucri faciendi causa inferre tentaverunt.
Aber bald wurden die Städte im Norden Italiens wichtiger.
Schon 1031 hat Amalfi gegenüber dem gleich zu besprechenden Ve-nedig an Terrain verloren und ein noch gefährlicherer Feind erwuchs ihmin Pisa, das in der Zeit der burgundischen und sächsischen Könige aufkam.Zwar war es unter die Langobardenherrschaft gekommen, aber verhältnis-mäßig spät, nachdem diese angefangen sich zu zivilisieren, und, was beson-ders zu beachten ist, in einer Zeit, da die Entwicklung schon bei den Lango-barden dazu geführt hatte, daß es auch bei ihnen schon landlose Freie gab,die anfingen, Kaufleute zu werden. Die Langobarden legten solchen land-losen Kaufleuten bereits gleiche Lasten auf wie den freien Grundbesitzern.
! ) Leo a. a. O.
2 ) In der Vorrede zur Geschichte Siziliens .
3 ) Lib. 18, Histor. Sacr.
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