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lernte Leonardo von den Arabern die kaufmännische Rechenkunst, von dersein Buch Zeugnis gibt. Der Reichtum, welchen die Pisaner durch ihrenHandel erworben hatten, wurde sprüchwörtlich. So heißt es, um dengroßen Reichtum eines Abtes zu kennzeichnen, von ihm ditior ille Pisanis.')Und von den pisaner Kaufleuten, die schon im n. und 12. Jahrhundertsolche kommerzielle und damit verbundene kriegerische Leistungen aufzu-weisen hatten, wagt uns Sombart zu sagen, daß das Rechenexempel, wonacheiner aus Pisa mit io'/z d auszieht und nach Bestreitung seines Lebensunter-halts iüs Ergebnis eines dreimaligen Umsatzes seines Kapitals mit je ioo°/oGewinn nichts mehr übrig hat, typisch gewesen sei für go°lo ihrer da-maligen Kaufmannschaft!
Pisa wurde dann wiederum zunächst von Genua überwunden. Anfangsstand Genua unter byzantinischer Herrschaft. Dann ist auch es den Lango-barden erlegen. Darauf eine neüe Entwicklung der Stadtverfassung auf ger-manischer Grundlage. Allein mit der Unterwerfung unter die Langobardenwurde es nicht etwa agrarisiert. Dem standen schon die Bodenverhältnisseentgegen. Genua konnte nicht leben außer vom Handel. Dazu kommt,daß es besonders geeignet war als Handelsplatz zwischen dem Kontinentund Sardinien und Korsika. Im 10. Jahrhundert teilt es sich bereits mitVenedig in den pontisch-griechischen Zwischenhandel. Die Schiffe der Ge-nuesen brachten Wolltücher, Bauholz, Waffen und Sklaven nach Syrien und Ägypten, um dagegen Spezereien und kostbare Gewänder, namentlichdie purpurgefärbten von Tyrus und die golddurchwirkten von Damaskus einzutauschen. * 2 ) Im 11. Jahrhundert bringen die Genuesen schon die Pro-dukte der aufblühenden lombardischen Industrie nach der Levante. Beson-ders interessant für unsere Betrachtung ist der kapitalistische Charakter unddie kapitalistische Organisation der kriegerischen Unternehmungen der Ge-nuesen schon im 11. Jahrhundert; am 1. Kreuzzug haben sie sich beteiligt,indem sie eine Aktiengesellschaft (Maona) ins Leben riefen, welche 12 Ga-leeren ausrüstete und demjenigen, der sich beteiligte, einen Anteil an derzu erwartenden Beute, je nach seiner Beteiligung, versprach. Wer sich nurals Krieger beteiligte, sollte weniger erhalten, als wer eine Kapitaleinlagemachte. 3 ) Im 12. Jahrhundert, erzählt Muratori von Pisa und Genua, seideren Macht so groß gewesen, daß die griechischen Kaiser ihnen Zins ge-