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hat, war einer der ersten Frankfurter Kaufleute seiner Zeit. Aber er warkein Puritaner außer in seiner allgeachteten Rechtschaffenheit und Ehrbar-keit; er war zeitlebens gläubiger Katholik, selbst zur Zeit, da alle seineGeschwister um ihn ungläubig waren. Aber er war trotz seines außer-ordentlich erfolgreichen Geschäftssinns kein Banause, der puritanisch in jedem,selbst dem edelsten Genüsse etwas Sündhaftes erblickte. Er war ein un-gemein feinsinniger Kunstkenner, bei dem ebendeshalb Goethe gern weilte,ein hilfreicher Freund Beethovens und ein Wohltäter der Armen; also eingroßer Kaufmann, wenn auch nicht an Größe seines Reichtums, so dochseiner Gesinnung dem Jakob Fugger und den großen italienischen Kauf-leuten in der Glanzzeit Italiens ähnlich; und ganz charakteristisch für dengroßen katholischen Kaufmann waren die Worte, die er auf seinem Sterbe-bett immerfort wiederholte, Aufforderungen, Almosen zu geben. Auchheute noch gibt es unter den großen Kapitalisten gläubige Katholiken vonähnlicher Denkungsart.
Nicht nur aber, daß Webers Theorie die Emanzipation vom Traditio-nalismus ignoriert, welche in Italien zur glänzendsten Entfaltung des Kapi-talismus geführt und es in der zweiten Hälfte des Mittelalters zum reichstenLand in Europa gemacht hat, ich erachte auch seine Zusammenbringung derSchätzung der Profanarbeit als einer von Gott gestellten Aufgabe mit demProtestantismus für unhaltbar. Schon der hl. Basilius wird vom BreviariumRomanum als der Mann bezeichnet, 1 ) dem das Verdienst zufalle, in denKlöstern die Profanarbeit mit dem beschaulichen Leben verknüpft zu haben;seine von der Kirche im Orient allgemein anerkannte Ordensregel bestehtganz besonders auf der Pflicht zur Arbeit. Basilius ist sogar dagegen, daßdas Fasten der Arbeit Abbruch tue: »Wenn das Fasten eurem Arbeiten imWege steht, ist es besser, ihr esst als Arbeiter Christi, die ihr seid.« 2 ) ImOccident ist Augustinus Schrift »über die Arbeit der Mönche« für die Aus-gestaltung der Ordensregeln im Mittelalter maßgebend geworden. 3 ) Darinwendet er sich energisch gegen diejenigen, welche den Eintritt in ein Klostersuchen, um darin zu einem, arbeitslosen Genuß des Lebens zu gelangen. Ergeht aus von der Stelle im 2. Brief des Apostel Paulus an die Thessa-loniker 3, 10: »So Jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen«.Damit ist ihm die Arbeit als eine den Menschen von Gott gestellte Arbeit
*) Monasteriis exstructis, ita monachorum institutum temperavit ut solitariaeatque actuosae vitae utilitates praeclare simul conjungeret. Brev. Rom., die 14. Junii.
2 ) Entnommen, Montalembert, Les moines d’occident, I. Paris 1860 p. 106.
3 ) S. Aurelii Augustini etc. opera. VI 475. Parisiis 1685. Migne, Patr.lat. XL, 561.