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erwiesen, und zwar die körperliche Arbeit. Aber selbstverständlich muß dieArbeit eine ehrbare sein. »Denn die Ehrbarkeit scheut nicht die Dinge, dielediglich von den Hochmütigen, die für ehrbar gehalten werden wollen, ob-wohl sie selbst unehrbaren Dingen nachlaufen, für verächtlich gehalten wer-den.« Sei doch Jesu’s Nährvater Joseph ein Zimmermann gewesen. DaherPaulus dagegen gewesen sei, daß für die leiblichen Bedürfnisse der DienerGottes durch Gaben der Gläubigen gesorgt werde; sie hätten durch eigenekörperliche Arbeit sich das dazu Nötige zu beschaffen. »Da die physischeNotwendigkeit, die Diener Gottes dazu zwingt, dem Unterhalt des Körperssich mit gewissen zeitlichen Unterbrechungen zu widmen, warum sollte mannicht bestimmte Stunden festsetzen, um den Befehl des Apostels hinsichtlichder körperlichen Arbeit zu folgen: wissen wir doch, daß eine gehorsameBitte eher erhört wird, als tausend Forderungen eines rebellischen Geistes.«Es stehe ja nichts im Wege, daß man während der Arbeit zur Ehre Gottessinge. Augustinus schließt, indem er nach der regelmäßigen und maßvollenArbeit der Mönche seufzt, welche ihren Tag zwischen körperlicher Arbeit,Lesen und Beten teilten. Was Augustinus ersehnt hat, ist dann in der Regeldes hl. Benediktus Vorschrift geworden. »Der Müßiggang«, heißt es im48. Kapitel derselben, »ist ein Feind der Seele; darum müssen sich dieBrüder zu bestimmten Stunden mit Handarbeit und wiederum zu bestimmtenStunden mit geistiger Lesung beschäftigen.« Diese Lehren werden dannvon Gegnern derjenigen Mönche, welche nur der geistigen Arbeit und demkontemplativen Leben sich widmeten, gegen diese ausgebeutet, so zwar daßThomas von Aquin ') und der hl. Bonaventura sich veranlaßt sahen, zu derenSchriften zu verfassen. Aber wenn der Aristoteliker Thomas darin auchdie intellektuelle Fähigkeit der Vernunft über die körperliche Arbeit stellt,so betrachtet doch auch er diese als eine von Gott den Menschen gestellteAufgabe: 1. weil sie nötig sei, um das Leben zu erhalten; 2. weil sie denMüßiggang, aller Laster Anfang, banne; 3. um die sinnlichen Triebe zukasteien; 4. um den Dürftigen Almosen geben zu können. Die Lehre desBonaventura * 2 ) stimmt mit der Lehre des hl. Thomas überein. Luther aberwar Augustinermönch gewesen. Er dürfte wohl mit der Schrift des. Augus-tinus über die Arbeit der Mönche vertraut gewesen sein, und seine Auf-fassung von der weltlichen Arbeit als einer von Gott gestellten Aufgabewäre somit keine andere als die des Verfassers seiner Ordensregel gewesen.
*) Sancti Thomae Aquinatis, quaestiones quodlibetanae. quodlibet VII,quaestio VII. de opere manuali, artic. XVII et XVIII.
2 ) Doctoris Seraph. Bonaventurae opera omnia, jussu et auctoritate AloysiiLauer edita t. VIII. 1908. Opusculum XVI. cap. V de modo laborandi p. 420.