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selbst; er verhärtet sein Herz gegen alle vernünftigen Vorstellungen desKäufers. III. Es ist nicht möglich eine Ware so teuer wie möglich zuverkaufen, ohne zu lügen, zu schwören und zu betrügen. IV. Wer soteuer wie möglich verkauft, handelt gegen das Naturrecht, welches sagt:Tue allen Menschen so, wie du wünschest, daß dir getan werde. V. Werso teuer verkauft als er kann, nutzt die Kenntnis aus, die Gott ihm, abernicht Anderen gegeben hat, um Gottes Gesetz zu mißbrauchen und seinenNächsten auszubeuten. Dazu aber gibt Gott nicht größere Fertigkeit,Kenntnis und Verstand. Er gibt sie, damit man dem Nächsten helfenund ihn vor den Nachteilen bewahren könne, die ihm sonst seine Unwissen-heit, seine Not oder seine Vorliebe bereiten könnte. VI. Alles, was derMensch tut, soll er tun zur Ehre Gottes; das kann er aber aus den dar-gelegten Gründen, wenn er so teuer wie möglich verkauft und so billig wiemöglich kauft, nicht tun. VII. Alles, was er tut, soll er tun im NamenChristi; das kann der nicht tun, der so teuer wie möglich verkauft. End-lich VIII. Alles, was der Mensch tut, soll er tun im Hinblick auf das jüngsteGericht und auf die Beurteilung, welche seine Handlungen an diesem Tageerfahren werden. Daher soll Niemand allzeit so teuer verkaufen als erkönnte, wenn er nicht das Risiko laufen will, wie das Urteil über ihn andiesem Tage ausfällt.
Kann es etwas Antikapitalistischeres geben, als diese Stelle, an welcherBunyan die Frage, von deren Beantwortung es abhängt, ob es erlaubt ist,nach dem größtmöglichen Gewinn zu streben — denn davon, daß man zumniedrigsten Preise einkauft und zum höchsten verkauft, wird der größtmög-liche Gewinn bedingt — mit Nein beantwortet? Und diesen Mann will MaxWeber zu einem typischen Vertreter kapitalistischen Geistes stempeln, weiler »das alte mittelalterliche (und schon antike) Bild von der BuchführungGottes bis zu der charakteristischen Geschmacklosigkeit gesteigert habe, dasVerhältnis des Sünders zu Gott mit dem eines Kunden zum Shopkeeper zuvergleichen.« 1 ) Ich gebe zu, daß es weit großartiger ist, wenn es in derOffenbarung Johannis 20 v. 12—15 heißt: »Und ich sähe die Todten, beidegroß und klein, stehen vor Gott : und die Bücher wurden aufgetan, und einanderes Buch ward aufgetan, welches ist des Lebens. Und die Toten wurdengerichtet, nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. Und dasMeer gab die Toten, die darinnen waren; und der Tod und die Hölle gabendie Toten, die darinnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nachseinen Werken. Und der Tod und die Hölle wurden geworfen in den
0 Archiv für Sozialwissenschaft etc. XXI, 35.
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