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er einem der Seinigen eine Gewinnchance zeigt, seine Absichten dabeihabe und der gläubige Christ diesem Rufe somit zu folgen habe, nur aufBerufswahl und Berufswechsel, ferner, wie die von Weber angeführteStelle 1 ) zeigt, auf das Arbeiten in einem Beruf. Sie bezieht sich wederauf das Nutzbarmachen von Kapital, noch auch auf das Verhalteninnerhalb des Berufs. Gerade das letztere, das Streben nach dem größt-möglichen Gewinn, ist das, worin der kapitalistische Geist sich äußert, undgerade dieses wird von den Puritanern aufs energischste verurteilt; energi-scher hätten Paulus, Clemens von Alexandrien, Basilius, Hieronymus, Augu-stinus , Ambrosius und alle Kirchenlehrer des Mittelalters nicht davor warnenkönnen. Man befrage nur John Bunyan den gelesensten unter allen puri-tanischen Predigern. In seinem »Leben und Sterben des Herrn Schlechtermann«hat er die Frage, ob es erlaubt sei, so teuer wie möglich zu verkaufen undso billig wie möglich zu kaufen behandelt 2 ) und er hat sie verneint. Denn
1. muß man, um so teuer als möglich zu verkaufen sein Gewissen hintan-setzen: denn i. muß man dabei die Unwissenheit des Käufers ausnützen;
2. oder man muß dabei die Dringlichkeit des Bedürfnisses des Käufersausnützen, oder 3. dessen Vorliebe für einen Gegenstand. Alles dies wider-spricht aber der Mahnung des Paulus 1. Thess. 4, 6: »Und daß Niemandzu weit greife noch vervorteile seinen Bruder im Handel.« Dasselbe wiefür das Verkaufen gilt für das Kaufen. Man soll nicht so billig kaufenals man kann, sondern sich ein gutes Gewissen wahren. Man kann abernicht so billig wie möglich kaufen, ohne die Unwissenheit, Not oderNeigung des Käufers auszubeuten. II. Es sollen alle Beziehungen zwischenKäufer und Verkäufer durch die Liebe geleitet sein. Wer aber eine Wareso teuer wie möglich verkauft, liebt nicht seinen Nächsten, sondern nur sich
therefore desires no more wealth than an honest man may bear away« durch denZusatz »aber soviel will er eben doch auch«, ihrer Beweiskraft gegen seine Theorieberauben zu können glaubt.
*) a. a. O. S. 86 : Wenn Gott Euch einen Weg zeigt, auf dem Ihr ohne Schadenfür Eure Seele oder für andere in gesetzmäßiger Weise mehr gewinnen könnt, alsauf einem anderen Wege und Ihr dies zurückweist und den minder gewinnbringen-den Weg verfolgt, dann kreuzt Ihr einen der Zwecke Eurer Berufung (calling), Ihrweigert Euch, Gottes Verwalter (stewart) zu sein und seine Gaben anzunehmen, umsie für ihn gebrauchen zu können, wenn er es verlangen sollte. Nicht freilich fürZwecke der Fleischeslust und der Sünde, wohl aber für Gott dürft Ihr arbeiten, umreich zu sein.«
2 ) Siehe The works of that eminent servant of Christ Mr. John Bunyan late Minister of the Gospel and Pastor of the Congregation at Bedford. London 1737,H, 774, 775-