1 43
Kanzel in den Kirchen geredet. 1 ) Allerdings hatte Cromwell Sinn für dieBedeutung von Kapitalreichtum für die Wohlfahrt eines Landes und hatdie Juden, weil sie kapitalreich seien, wieder in England zugelassen; aberer war weit entfernt, den Gelderwerb um des Geldes willen zu rechtfertigen;und Weber selbst scheint einräumen zu wollen, daß es nicht für den spe-zifisch kapitalistischen Geist Cromwells spricht, wenn er 1650 an das LangeParlament schreibt: »Bitte, stellt die Mißbräuche aller Berufe ab, und gibtes einen, der viele arm macht, um wenige reich zu machen: das frommteinem Gemeinwesen nicht.« Desgleichen sind die Lehren der Puritaner,statt kapitalistisch zu sein, geradezu traditionalistisch. Weber macht aller-dings besonderes Aufheben von der Lehre des Verfassers des umfang-reichsten Kompendiums puritanischer Moraltheologie Richard Baxter . Aberich finde bei ihm zwar die Aufforderung zu ununterbrochener Berufsarbeitund energisches Warnen vor Müßiggang und Genuß; aber die Aufforderungzu rastloser Arbeit ist nicht gerade etwas kapitalistisches, sonst wären auchBasilius, Augustinus und Benediktus zu den Vertretern kapitalistischenGeistes zu rechnen. Er warnt vielmehr vor dem Reichtum, wie Weberselbst hervorhebt, 2 ) als einer schweren Gefahr und erklärt, wie die Kirchen-väter, das Streben danach nicht nur für sinnlos gegenüber der überragendenBedeutung des Gottesreichs, sondern wegen der Versuchung zu Müßig-gang und Genuß, die es mit sich bringe, für sittlich bedenklich. WennBaxter ferner für den paulinischen Satz: »Wer nicht arbeitet, soll nichtessen« bedingungslose Geltung für jedermann, auch für die Reichen, ver-langt, ist dies gleichfalls alles eher wie kapitalistisch. Und wenn er alsGesichtspunkt bei der Berufswahl in erster Linie die Rücksicht auf dieSittlichkeit des Berufs, in zweiter die Wichtigkeit der darin zu produzieren-den Güter für die Gesamtheit, in dritter Linie die privatwirtschaftliche Pro-fitlichkeit nennt, so heißt es doch Baxter eine Auffassung, die man als dieseine erst nachweisen soll, willkürlich unterlegen, wenn Weber, entgegender von Baxter aufgestellten Reihenfolge der Maßstäbe, den Gesichtspunktder privatwirtschaftlichen »Profitlichkeit« als den »natürlich praktisch wichtig-sten« bezeichnet. 3 ) Auch bezieht sich die Lehre Baxters, daß Gott , wenn
') Siehe Ordericus Vitalis , Historia Ecclesiartica lib. XI, Ausgabe vonA. Le Prevost IV. Paris 1852, p. 213. Siehe oben S. 27 Anm. 1.
2 ) Archiv für Sozialwissenschaft XXI, 76.
3 ) a. a. O. S. 85. Dazu gehört auch, wenn Weber ebenda Anmerkung 33 dieantikapitalistische Bemerkung von Th. Adams über das Streben nach Gewinn: »He(the knowing man) knows . . . that money may make a man richer, not better, andthereupon chooseth rather to sleep with a good conscience than a full purse . . .