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jamin Franklin selbst niedergeschrieben hat. Sie enthalten 1 ): i. eine War-nung vor Zeitvergeudung; 2. einen Hinweis auf den Vorteil, den guter undausgebreiteter Kredit bringe; 3. die Aufforderung, jeden Taler zu nützen;4. eine Ermahnung, sparsam in den Ausgaben zu sein,’ da eine kleine täg-liche Ersparnis eine große Summe im Jahre ausmache; 5. die Aufforderung,den eigenen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachzukommen, weil diesden Kredit mehre, und 6. Alles, was dem Kredit schaden könne, wie offen-sichtlichen Unfleiß und Billardspielen und Kneipen in den Stunden, welcheder Arbeit gehören, zu meiden; 7. eine Warnung, die Mittel, über die'man nur durch empfangenen Kredit die Verfügung habe, zu verausgaben,als ob sie die eigenen wären. Das sind die Lehren, die Ferdinand Kürn-berger als Glaubensbekenntnis des Yankeetums verhöhnt hat, und von denenMax Weber schreibt 2 ), »daß es der »Geist des Kapitalismus « ist, der ausihm in charakteristischerWeise redet, wird Niemand bezweifeln«! Ich frageumgekehrt: Wer bezweifelt, daß in jedwedem Lande jedweder Geschäfts-mann einem Handlungsbeflissenen, mit dem er es gut meinte, dieselbenRatschläge erteilt hat, und zwar um so eindringlicher, je geringfügiger dieMittel waren, welche diesem zur Verfügung standen und je handwerks-mäßiger dementsprechend sein Betrieb war? 3 ) Es setzt m. E. schon eine starkeVoreingenommenheit voraus, um diese biederen, durchaus kleinbürgerlichenKlugheitsregeln zu einer »Philosophie des Geizes« zu stempeln. Sie trittuns auch in der weiteren Ausführung Webers entgegen, in denen er aus
J ) Ich halte mich an die mir vorliegende deutsche Übersetzung von BenjaminFranklins Leben und Schriften von Dr. A. Binzer. Kiel 1829, IV, 89—93.
2 ) Archiv für Sozialwissenschaft etc. XX, 14.
3 ) Das Paradigma von Betriebsamkeit und Sparsamkeit entsprechend den vonFranklin für junge Geschäftsleute niedergeschriebenen Ratschlägen bietet »JohannGottlob Nathusius, Ein Pionier deutscher Industrie, von Elsbeth von Nathusius .2. A. Stuttgart und Berlin 1915«. Nathusius hat sich aus den kleinsten Verhältnissenzu großem Wohlstand emporgearbeitet. Mit 26 Jahren stand er auf eigenen Füßen.Auch die unbedeutendsten Handlungen, die den Kredit eines Mannes beeinflussen,zu beachten, hat Nathusius, als ob er Franklins Ratschläge gelesen hätte, beachtet.So heißt es auf S. 57: »Mit Klugheit wußte er den so notwendigen Kredit zu er-halten und die große Sparsamkeit und Einfachheit der Sitten, in der er auferzogenwar, half ihm dazu. Aber so anspruchslos er für seine Person blieb, so gewann erdoch jetzt Geschmack an Gastfreundschaft und heiterer Geselligkeit, die er bis dahinkaum gekannt hatte. So gestattete er sich zu jener Zeit schon seinen Geburtstagmit einigen guten Freunden bei einer Flasche Wein zu feiern. Unversehens tratdazu der Gläubiger herein, von dem Nathusius den meisten Kredit genoß. Sofortstellte er die Flasche heimlich unter den Tisch, damit jener im Ver-trauen auf seinen Schuldner nicht irre werden möchte.« Vgl. dazu dieauf der folgenden Seite zitierte Entrüstung Webers!