ist, für ihr Volk in Anspruch nehmen. Als eine jüdische Gesandtschaft vonCrom well die Aufhebung der Gesetze Eduards I. erbat, kraft deren ihnendie Niederlassung in England verboten war, verlangte er Bedenkzeit. Bissie abgelaufen war, begab sich die Gesandtschaft, wie man erzählt, nachHuntingdon, dem Geburtsorte Cromwells , um festzustellen, ob er nicht jüdi-schen Ursprungs sei; ein so großer Befreier konnte nach ihrer Meinung nurJude sein, und wenn er dies war, vielleicht war er der Messias. In DisraelisRoman »Coningsby« findet sich eine berühmte Stelle, worin Sidonia, eineidealisierte Ausgabe der Familie Rothschild , ausführt: »Niemals gab es einegroße geistige Bewegung in Europa , woran die Juden nicht sehr großenAnteil hatten. Die ersten Jesuiten waren Juden; die geheimnisreiche russi-sche Diplomatie, welche Westeuropa so sehr beunruhigt, ist durch Judenorganisiert und in der Hauptsache geführt; die große Revolution, die sichin diesem Augenblick (1844) in Deutschland vorbereitet, und tatsächlich einezweite und größere Reformation sein wird, entwickelt sich völlig unter denAuspizien der Juden, die nahezu das Monopol der Lehrstühle der deutschenUniversitäten besitzen; und dann erklärt Sidonia den russischen Finanz-minister Grafen Cancrin für einen Littauer Juden, den spanischen MinisterMendizabal für einen arragonesischen Kryptojuden, den Marschall Soult undandere der berühmtesten französischen Marschälle, wie Massena , dessen wirk-licher Name Manasseh sei, für Judenstämmlinge, und von einem Geschäft,das er selbst mit dem französischen Minister Soult , einem Sohn des Mar-schalls, abzuschließen hatte, berichtet er, sie seien übereingekommen, einenstreitigen Punkt dem Schiedsspruch des preußischen Gesandten zu über-tragen: »Graf Arnim trat ein, und ich sah einen preußischen Juden.« Aberalle diese Inanspruchnahmen weltbewegender Ereignisse und hervorragenderMänner für das Judentum werden durch Sombarts Dithyrambus über denSonnenzug Israels über die Erde übertroffen!
Ich erkläre mir dies aus Sombarts Einsicht in die volkswirtschaftlicheBedeutung des Kapitals. Ein Blick in die Geschichte aller Völker zeigt,daß ihre wirtschaftliche Blüte erst dann beginnt, wenn reichlichere Mittelzur Hebung ihrer von der Natur gebotenen Schätze verfügbar werden, undsie verfallen, wo diese Mittel schwinden. Das hat schon Bischof Rüdigervon Speyer gewußt, als er im Jahre 1084 das Dorf Speyer zur Stadt erhobund gleichzeitig Juden da ansiedelte »in der Überzeugung, daß er dadurchden Glanz des Ortes vertausendfache«. 1 ) Ohne Juden, denen allein verzins-bare Darlehen zu geben gestattet war, gab es nämlich damals kein Kapital.