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dem Gotte der Juden. 1 ) Endlich gerade weil dieser nationale Gott zum Gottfür alle Völker wurde, diese aber von ihm nur im Hinblick auf sein aus-erlesenes Volk, das Volk Israel, regiert wurden, empfand man, etwas Be-sonderes zu sein, allen anderen Völkern weit überlegen. Ihnen soll mandiesen Gott verkünden und sie bekehren, bis dahin aber jede Berührung mitihnen meiden. Das »Gesetz« des Priesters Esra hat diese Auffassung bis inihre letzten Konsequenzen durchgeführt und, indem Esra es zur Annahmebrachte, hat er das »Judentum « geschaffen.
Der Schwerpunkt der Wandlung in der Gottesauffassung, zu welcherdie Erlebnisse des jüdischen Volkes geführt haben, liegt also, wie EduardMeyer 2 * ) bemerkt, weniger in dem Monotheismus, als vielmehr in der scharfenBetonung der Alleinigkeit Jahves. Darin aber auch die Grundlage der hoch-mütigen Überlegenheit, mit der die Juden als alleinige Bekenner des wahrenGottes allen anderen Völkern entgegentreten, und des Gefühls der Erbitterung,weil ihre äußere Stellung dieser Überlegenheit des von Gott auserlesenenVolks nicht entspricht. Daher ferner ihre selbstgewollte scharfe nationaleAbsonderung und daher auch der »Judenhass«,^ der mit der Entstehungdes »Judentums«, bei allen Völkern, in deren Mitte sie wohnen, in die Er-scheinung tritt.
Von Babylon aus haben sich die Juden nach Ost und West verbreitet.Als Cyrus im Jahre 536 v. Chr. den Juden die Rückkehr nach Kanaan undden Wiederaufbau des Tempels erlaubte, sind es nur die ärmeren undfrommen gewesen, die zurückgekehrt sind; die wohlhabenderen blieben da,wo sie sich niedergelassen hatten, und bildeten durch ihren religiösen Glaubenzusammengehaltene Gemeinden, die in Beziehungen mit ihren Stammes-genossen standen. Und ebenso war es mit den Juden, welche in anderenLändern zwangsweise angesiedelt worden sind; so in Phönikien, Cypern,den griechischen Inseln, Ägypten , und ebenso mit denen, die ihnen frei-willig nachgefolgt sind. 4 ) So gab es besonders viele Juden in Alexandrien .Es ist »seit den Zeiten des ersten Ptolemäus, der nach der Einnahme Palä-stinas eine Masse seiner Bewohner dorthin übersiedelte, fast ebensosehreine Stadt der Juden wie der Griechen und die dortige Judenschaft an Zahl,Reichtum, Intelligenz, Organisation der jerusalemitischen mindestens gleich