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Typus nationaler Exclusivität entwickeln ließ. Auch in wirtschaftlicher Be-ziehung ist dies von einschneidender Bedeutung gewesen.
Jahve ist von Haus aus nur der Gott der Seinen gewesen. Das giltfür die Götter aller Völker auf primitiver Kulturstufe; aber für keinen trifftes so sehr zu wie für den Gott Israels. Andere Götter standen neben ihm:Kadmos und Dagon und Hadad, und er hatte mit ihnen zu kämpfen. Aberer war mächtiger wie sie alle. »Jahve ist ein Kriegsmann, Jahve heißt er,Roß und Reiter hat er gestürzt ins Meer.« Der Gott eines jeden Volkshatte sein Gebiet, in dem er herrschte, und der Gott des einen hatte in demLande des anderen kein Recht. Auch war Jahve anfänglich nicht über-sinnlich und geistig in unserem Sinne. Noch im Debohraliede wohnt ernicht in Palästina, sondern in der Wüste auf dem Berge Sinai und kommtvon dort, wenn nötig, den Seinen zu Hilfe. Dann aber nimmt er als Kriegs-gott im Kriegslager seinen Aufenthalt; seine Gegenwart ist durch die Ladedem Volke sichtbar, und nachdem diese nach Jerusalem übergeführt worden,hat er seinen Wohnsitz im dortigen Heiligtum. Dem entsprechend auchniemand daran dachte, daß er außerhalb Israels verehrt werden müsse oderauch nur • könne.
In all dem eine Änderung mit der Wegführung der Juden nach Babylon .Es läge die Meinung nahe, daß ihr Glaube an die Übermacht ihres nationalenGottes durch die Vernichtung ihres nationalen Staates zerstört worden wäre.Ganz im Gegenteil! Sie wurde ein Beweis für seine Allmacht. Denn nicht,weil er schwächer war als die Götter anderer Völker waren die Juden be-siegt worden, sondern, indem er, um sein Volk zu züchtigen, Völker zurHerrschaft führte, die von ihm keine Ahnung hatten. Und gerade darinzeigte er sich als der einzige Weltenherr; und gleichzeitig zeigte sich damitIsrael erst recht als das auserlesene Volk, indem um seinetwillen selbst derunwissende Heide Jahves Willen ausführen mußte und die ganze Welten-bewegung nur um Israels willen da ist. Somit wandelte sich Jahve aus einemdas Land Kanaan , ähnlich wie andere Götter ihre Länder, beherrschendenGotte in den allein wahren Gott, der Himmel und Erde, Länder und Meereerschaffen hat und dem »die Völker sind wie Tropfen am Eimer und Stäub-chen auf den Wagschalen.«
Diese Wandlung in der Auffassung Jahves hatte aber notwendig auchandere Wandlungen zu Folge. Jetzt wurde es möglich, eine Gottheit fernvon ihrem Wohnsitz zu verehren, losgelöst von ihrem Heimatboden und demeigenen Volk. Weiter aber erschien nun jeder dem Gott eines anderenKultus geleistete Dienst als schwerer Frevel an dem eigenen, über alleVölker, auch über die, welche nichts von ihm ahnten, regierenden Gotte,
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