igo
hat, so hat auch die Ausbreitung des Christentums an diese Ausbreitungdes jüdischen Elements angeknüpft. 1 )
Und nun zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser Entwicklung. Sie hatden wirtschaftlichen Charakter der Juden geändert. Zuerst in Babylon .
Wie schon oben erzählt worden ist, haben die Juden in Babylon Häuser gebaut und darin gewohnt, Gärten gepflanzt und ihre Früchte ge-nossen; auch Handwerk haben sie getrieben. Aber vor allem haben siesich da zu jenem Handelsvolk zu entwickeln begonnen, als welches wirsie in der Wirtschaftsgeschichte vornehmlich kennen. Bei den Babyloniernhatten sie hochentwickelte Handelsverhältnisse vorgefunden. Zahlreiche inden neuerdings veröffentlichten Keilschrifttexten enthaltene Geschäftsurkundenzeigen, daß sich die exilierten Juden an diesem Handelsleben eifrig beteiligthaben, 2 ) sowohl als Großhändler als auch in den in Babylonien insbesondereausgebildeten Geldgeschäften. Nun geht der Großhandel darin auf, einSachvermögen nutzbar zu machen, indem billig gekauft und teuerer ver-kauft wird, und naturgemäß ist dabei sein Ziel, daß die dabei erzielten Über-schüsse möglichst groß seien. Der Großhandel ist seinem innersten Wesennach kapitalistisch. Soweit die Juden Großhandel trieben, wurden sie alsonotwendig vom kapitalistischen Geiste erfaßt.
Aber noch mehr. Alsbald äußert sich der kapitalistische Geist auchim Gelddarlehen. Gelddarlehen hatte es schon vor dem Exil gegeben, alsdie Juden noch in Palästina lebten. Aber sie waren, wie bei allen primi-tiven Völkern, noch nicht vom kapitalistischen Geiste getragen gewesen.Im Leviticus Kap. 23, Vers 36 und 37 wird es ausdrücklich und ohne jedwede
J ) »An den Orten, wo die Hauptstationen des phönizisch-palästinischen Handelswaren, fand das Christentum zuerst Eingang und verbreitete sich von da aus in dieUmgegend; denn dieser große Handelsverkehr, an dem nach dem Beispiel der Phö-nizier in jüngerer Zeit auch die Juden sich lebhaft beteiligten, hatte in den erstenKüsten- und Handelsstädten am Mittelmeer und im Binnenlande Niederlassungender Kaufleute aus Phönizien und Palästina ins Leben gerufen; die dabei beteiligtenJuden hatten, ebenfalls nach dem Vorgang anderer kaufmännischer Landsmannschaften,an diesen Orten für ihre religiösen Bedürfnisse Versammlungshäuser, Synagogen undProseuchen mit den daran haftenden Rechten. An diesen Versammlungsstätten derjüdischen Landsmannschaften verkündigten die Apostel, nach einem jedem Juden zu-stehenden Rechte, die christliche Lehre und gründeten hier die ersten episkopalenSitze, von wo peripherisch das Christentum sich weiterverbreitete. Mit wenigenWorten: der phönizisch-palästinische Handel hat dem Judentum, nachihm dem Christentum in heidnischen Landen die Wege gebahnt.« Mo-vers, Die Phönizier II, 3, S. 2. Berlin 1856.
2 ) Es findet sich in diesen Geschäftsurkunden eine große Anzahl jüdischerNamen, die zugleich meist in den Büchern Esra und Nehemia Vorkommen.