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Schwäche im logischen Denken, ihren völlig intuitiven Charakter, die Unfähigkeitaller dieser Leute ihre Gedanken zu beherrschen wie auch ihr Handeln zu regeln,ihre Unfähigkeit zu abstraktem Denken und zu politischer Verwaltung. Vergeblichwürde man in dieser kleinen Oase eine intellektuelle Elite suchen; wer aber einigeMonate dort verweilte, wurde bei allen diesen unzivilisierten Menschen eine Phantasieund ein Empfindungsvermögen finden, wie man sie bei den Bauern Europas ver-geblich suchen würde.«
Nach dieser Schilderung sind die Wüstenbewohner nicht anders wiedie primitiven Völker jedweden Breitegrads und jedweder Rasse. Wie beiallen primitiven Völkern ein Vorherrschen des Gefühls über den Verstand,daher des Impulsiven über die nüchterne Überlegung, der Anschauung überdas abstrakte Denken, der Intuition und Phantasie über Methode und Be-rechnung. Es zeigen diese Wüstenbewohner dieselben Eigenschaften, welchenoch zur Zeit der Kreuzzüge den germanischen Ritter im Gegensatz zumitalienischen Nobile charakterisiert haben. 1 ) Weit davon, daß die Steinwüsteder modernen Stadt die Fortsetzung der alten Sandwüste wäre, steht deralte Wüstengeist zu dem Geist der modernen Stadt in demselben Gegen-satz wie der Geist der Bewohner des nebel- und waldbedeckten Landes imNorden, bevor auch sie vom kapitalistischen Geiste ergriffen worden waren.Damit bricht das ganze Lehrgebäude vom Ursprung des kapitalistischen Geistes zusammen, das Sombart auf dem angeblichen Charakter der Judenals eines Wüstenvolks aufgeführt hat; es entbehrt jedweder Grundlage.
Nun wird mir vielleicht jemand einwenden, Sombarts oben wieder-gegebene Erklärung der Eigenart des jüdischen Volks stehe im drittenHauptabschnitt seines Buchs über die Juden, und von diesem habe er selbstgesagt, 2 ) daß er angesichts desselben nicht dasselbe Gefühl der Unwider-legbarkeit empfinde, wie hinsichtlich des ersten und zweiten Hauptabschnitts.Ich würde den Einwand als zutreffend anerkennen und hätte demgemäßdie obige Zusammenfassung des Inhalts seines 14. Kapitels unterlassen, wennnicht Sombart eben dieses Kapitel mit den Worten eröffnete: 3 ) »KeineHypothese, sondern eine durch die Tatsachen sichergestellte Annahme ist es,daß die sogenannte kapitalistische Kultur unserer Zeit durch das Zusammen-wirken eben der Juden, eines in nordische Länder vorgedrungenen Südlings-volks, mit den hier einheimischen Menschen ihr eigenartiges Gepräge er-halten hat«, und läge die hier zusammen gefaßte Auffassung nicht allenseinen Gedankengängen auch in den beiden vorausgegangenen Hauptab-schnitten zu Grund. Dabei soll nicht geleugnet werden, daß, was Sombart
3 ) Ebenda S. 403.