150 Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
eignung von wertvollen Gütern, die andere geschaffenhatten, durch Kapitalisten, ein Kapitalismus reiner Aus-beutung. Da in Italien keine Waren hergestellt wurden, dieman für die Waren, die man aus dem Orient, aus demhellenistischen Ägypten und Asien, aus Arabien und Indiensenden konnte, mußte Geld dafür geschickt werden. Daherder große Goldabfluß aus Italien nach dem Orient, denschon Plinius bezeugt. Woher aber das Geld? Solangeman reiche Völker bekriegt und Provinzen ausgesogen hatte,hatte die Beute die Mittel zur Bezahlung der aus dem Osteneinströmenden Luxusgüter geliefert. Da war mit Augustusdie Pax Romana und die Zerstörung der Ausbeutergesell-schaften der publicani erfolgt, und damit war das Endeder römischen Volkswirtschaft, wie wir sie kennen gelernthaben, da. Die Ausbeutung, auf der sie beruhte, hörte auf.Es gab keine reichen Völker mehr, die man plündern konnte.Bei Germanen und Sarmaten war nichts zu holen. Die
Plünderung der produzierenden Provinzen hatte ein Ende.Italien selbst aber produzierte nichts. Damit auch das Endeder Geldwirtschaft; an ihrer Stelle wieder Rückkehr zur Na-turalwirtschaft. Der Übergang zur mittelalterlichen Natural-und Feudalwirtschaft macht sich schon Ende des drittenJahrhunderts n. Chr. geltend.
Bevor wir uns zur Betrachtung des Wiederbeginns derNaturalwirtschaft wenden, aber noch eine Frage. Wirhaben gesehen, wie das Durchdringen des römischen Lebensmit dem Streben nach dem größtmöglichen Gewinn zurAufsaugung des bäuerlichen durch Latifundienbesitz geführthat, und was die gleichzeitige Entwicklung von Gewerbeund Handel und die kapitalistischen Betriebsformen desletzteren gewesen sind. Was ist die gleichzeitige Entwick-lung der Wirtschaftseinheit gewesen? Die Antwort lautet:Das Durchdringen des römischen Lebens mit dem Strebennach Gewinn hat auch zur Auflösung der Großfamilie alsWirtschaftseinheit geführt.
Ich habe dargelegt, daß bei keinem Volk die Haus-gewalt des Hausvaters in ähnlicher Straffheit entwickeltgewesen ist wie bei den Römern. Der Haussohn, auch