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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft.

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die Anarchie des 7. Jahrhunderts ist unter den Isaurierneine Periode der Macht und des Wohlstands gefolgt, dievon dem Verfall der vorausgegangenen, je tiefer dieser ge-wesen ist, um so mehr absticht. Indes die Mönche hattendie Masse des Volks hinter sich; sie triumphierten überden Puritanismus der Isaurier, und die Kaiserin Irene , dieMutter Konstantins VI., des letzten isaurischen Kaisers,wurde, weil sie den Bilderkult wiederhergestellt hat, trotz-dem sie ihren eigenen Sohn blenden ließ, heilig gesprochen.In der Tat würde der dauernde Triumph der Bilderstürmerdie Klöster einer sehr beträchtlichen Quelle ihres Reich-tums beraubt haben.

Nun nehmen die Klöster an Zahl und Reichtum wiederzu, und abermals erregt das Bauernlegen durch die Mäch-tigen die Besorgnis der Zentralgewalt. Die europäischeBevölkerung hatte infolge der Pest unter Konstantin er-schreckend abgenommen. Dasrömische Reich war unterden Isauriern völlig asiatisch geworden; Kronprätendenten,Beamte und die oberen Klassen stammten aus Kleinasien oder Armenien . Das aber waren Länder, die von altersher feudal organisiert waren. Nun nach dem Sturz derBilderstürmer wird die von Leo III. beseitigte Schollen-pflichtigkeit der Kolonen wieder eingeführt; die Abgaben,die der Kolone dem Grundherrn zu leisten hat, werden er-höht; das Gemeinland wird von diesen usurpiert; der freieBauernstand schwindet nahezu völlig; auch die Soldaten-lehen verschwinden. Das brachte der kaiserlichen Gewaltim Innern wie nach Außen Gefahr. Wenn schon Beiisarauf seinen Besitzungen ein Heer hatte rekrutieren können,stark genug, um damit und mit den von Beiisar besoldetenSöldnern Theodorichs Reich zu zerstören, um wieviel ge-fährlicher mußte solche Macht der Großgrundbesitzerwerden, sobald diese weniger ideale Persönlichkeiten wie

Koehne in seiner oben S. 206 erwähnten Kritik meine Rechtefertigung des Nikephorus Phokas besonders belobt, hat ErnstStein (Wien) sie in der Deutschen Literaturzeitung 1917, 17.Mai,S. 379, für völlig mißlungen erklärt. Ich habe im Folgenden abernur die im Texte angeführten Gesetze für sich selbst sprechen lassen.