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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lu jo Brentano

Gegenüber der erklärten Allgewalt und Allgemein-beit des bekämpften Triebes war dies ein unwirksamesMittel. Es hieß dies, die, welche auf das Jenseitshofften, im Diesseits den entgegengesetzt Handelndenausliefern. Der Trost, den Ambrosius den Tugend-haften gab 1 ), daß jene trotz scheinbaren Glücks inner-lich doch unglücklich seien, konnte bei aller Wahrheitdie erstrebte Lebensordnung doch nicht gewährleisten.

Sehr bald, nachdem die Kirche vom Staate an-erkannt war, finden wir daher die irdische Zwangs-gewalt im Dienst der Durchführung der im Namender Nächstenliebe gestellten Forderungen.

Allerdings hatte auch Diokletian in seiner Tax-ordnung vom Jahre 301 im Namen der Gerechtigkeitdie Preise zu regeln gesucht. Aber schon Lactantius 2 )hat hervorgehoben, es habe sich dabei lediglich umein Gegenmittel gegen die Teuerung gehandelt, dieDiokletian selbst hervorgerufen. Und wenn wir auchdie Worte des christlichen Eiferers gegen den Christen-verfolger nicht ohne weiteres als vertrauenswürdig hin-nehmen dürfen, so zeigt sich doch auch die Würdigung,die Bücher 3 ) dem Preisedikt hat zuteil werden lassen,daß es sich dabei um eine Maßnahme handelte, umgewissen Folgen der Münzverschlechterung entgegen-zuwirken. Die Lage der Truppen und der Beamtenwar durch diese gewaltig verschlechtert worden.Namentlich litten die Soldaten, wenn die Regimenternach einem anderen Orte verlegt wurden und nun höhereals die gewohnten Preise zahlen mußten. Daher wurdeeine Maximalgrenze festgesetzt, welche die Warenpreisenie überschreiten sollten. Wenn dabei in der Ein-

J ) De off. ministr. I, c. 12. Migne , Patr. lat. XVI, 38.

2 ) De mortibus peccatorum c. 7. Migne , Patr. lat. VI.

3 ) Zeitschrift für die Gesamte Staatswissenschaft L, 189 ff.